6.11.13

Welches Kaninchen zaubert Draghi diesmal aus dem Hut?

Was wird Draghi mit dem Euro machen? Der EZB-Chef mit italienischen Wurzeln ist kein Anhänger eines starken Euro. Dies stellte er bereits mehrfach unter Beweis, zuletzt im Februar 2013, als Draghi mit einem Überraschungscoup viele Währungshändler überrumpelte. Etwas Ähnliches könnte er sich für die mit Spannung erwartete Novembersitzung der Europäischen Zentralbank ausgedacht haben.

Am Devisenmarkt kann sich die Gemeinschaftswährung derweil erholen. Der Eurokurs klettert von 1,2288 auf 1,2322 Franken. Die unter besonderer Beobachtung stehende Euro-Dollar-Devisennotierung steigt von 1,3450 auf 1,3533. Das Zweijahreshoch der Vorwoche bei EUR/USD 1,3833 ist jedoch noch ein gutes Stück entfernt.

Dass es bei dem Abstand in Höhe von drei Cents möglichst lange bleibt, dürfte das Ansinnen von Draghi und seiner südeuropäischen Kollegen im EZB-Rat sein. Den größten Effekt könnte man mit einer Leitzinssenkung von 0,50 auf 0,25 Prozent erreichen. Ökonomen rechnen jedoch vorerst nicht mit einem solchen Schritt.

Aktionismus passt nicht zur EZB. Wenn sie morgen den Leitzins verringerte, würde sie sich zu sehr abhängig von den Erwartungen und den Forderungen der Finanzmarktteilnehmer machen. Noch ist unklar, ob es sich bei dem deutliche Rückgang der jährlichen Inflationsrate im Euroraum um eine vorübergehende Erscheinung handelt.

Strategie

Beobachter erwarten, dass die EZB eine Leitzinssenkung für Dezember ankündigen könnte. Damit würde man nicht in Aktionismus verfallen und gleichzeitig dem aufziehenden Deflationsgespenst Rechnung tragen.

Dies könnte jedoch zur Folge haben, dass der Euro entgegen dem Gusto von Draghi in den kommenden Wochen erneut Richtung 1,40 Dollar steigt.

Der EZB-Chef müsste sich etwas Neues einfallen lassen, um dies zu verhindern. Im Februar, als der Euro mit 1,3712 Dollar trotz Euroraum-Rezession ebenfalls recht hoch bewertet war, koppelte Draghi den Wechselkurs an die Inflation. Die EZB betrat Neuland, weil sie es bisher vorzog (soweit möglich) überhaupt nicht über den Wechselkurs zu sprechen.

Draghi sagte vor neun Monaten sinngemäß: Wenn der Euro zu stark werde, dann dämpfe dass die Inflation, was wiederum eine Leitzinssenkung nach sich zöge. Der Euro fiel infolge dieses Überraschungscoups bis Anfang April auf 1,2745 Dollar, was auch auf das Aufflammen der Schuldenkrise in Zypern zurückzuführen war.

Diesmal geht es darum den Euro möglichste lange bei 1,35 Dollar stabil zu halten, weil die immer massiver einsetzende US-Staatsfinanzierung mittels Notenpresse Eurokurse bei 1,40 oder 1,45 Dollar locker möglich macht.

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