23.1.16

Prognose: EUR/CHF bekommt nicht mehr als 1,11 heraus

Das allgemeine Prognosebild trübt sich ein. Der aktuell bei 1,10 Franken notierende Eurokurs ist voraussichtlich am Ende seiner Kräfte. Damit er weiter steigen kann, braucht es etwas Substanzielles. Außer einem auf wackligen Beinen stehendem Aufwärtstrend gibt es aber nichts, das auf einen Anstieg des Euros hindeutet. Vielmehr spricht so einiges für einen Rückfall.

1) Wachstumskluft
Die Schweizer Wirtschaft wird im laufenden Jahr voraussichtlich ein Wachstum von 1,5% schaffen, prognostiziert der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan. Das wäre doppelt so viel wie im letzten Jahr und etwa gleich viel, wie dort, wo mit dem Euro bezahlt wird. Die Wirtschaft im Euroraum erreichte letztes Jahr ein Wachstum von 1,6%. Volkswirte rechnen für 2016 mit einem ähnlichen Wert.

2) Billiggeld
Die SNB überlasse den Franken dem Gutdünken von Mario Draghi, sagt Nobelpreisträger Joseph Stiglitz im Gespräch mit dem "Tagesanzeiger". Der Außenwert des Frankens werde in Frankfurt bestimmt, so Stiglitz. Und den EZB-Verantwortlichen läuft die Notenpresse offenbar noch nicht heiß genug. Draghi erwägt für Anfang März 2016 eine weitere Öffnung der Geldschleusen.

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3) Linksruck
Die mittelmäßige Kapitalausstattung italienischen Banken bereitet ebenso Sorgen wie der Linksruck auf der iberischen Halbinsel. Neben Portugal dürfte bald auch Spanien eine sozialistische Regierung haben, die Reformen zurückdreht und Ausgabenprogramme beschließt. Infolge sinkt das Wachstum und steigen die Haushaltsdefizite. Damit schwindet der Glaube, dass die Länder in Zukunft außer der EZB einen Käufer für ihre Staatsanleihen finden.

Das einzige, was für den Euro spricht, ist sein Aufwärtstrend. Er trug den Euro von 1,0225 Franken Ende April 2015 auf zuletzt 1,0990 Franken. Damit es weiter nach oben geht, muss ein Widerstand bei 1,1050 Franken überwunden werden. Die aktuelle Kursentwicklung (Price action) ist jedoch von Trägheit geprägt. Weil es an Durchschlagskraft fehlt, könnte es auf einen kurzen Ausflug über 1,10 hinauslaufen, gefolgt von einem Rückfall Richtung 1,07.

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