09.03.15

EZB startet ihre Inflationsmaschine

Die Glückssträhne des Lenkers der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint sich dem Ende zu neigen. Mario Draghis letzter Coup, ein 1.140 Milliarden Euro schweres Anleihekaufprogramm, droht wie ein Kartenhaus zusammen zu fallen. Gleichzeitig steigt die Inflation, und so könnte sich der Italiener bald wieder mit der Bewältigung von Alltagsproblemen konfrontiert sehen.

Die EZB ist mittlerweile aktiv dabei Staatsanleihen zu kaufen. Schätzungen zufolge soll das monatliche Kaufvolumen bei etwa 50 Milliarden Euro liegen. Hinzu kommen ca. 10 Milliarden Euro durch den Erwerb von Pfandbriefen und verbrieften Kreditforderungen (ABS-Papiere). Ob die EZB jeden Monat die anvisierten 60 Milliarden Euro liefern kann, steht jedoch in den Sternen.

Mario Draghi muss erst einmal genügend Verkäufer finden, die bereit sind, ihre Papiere abzutreten. Hintergrund: Die EZB möchte Staatsanleihen mit Zinscoupons kaufen, die deutlich über dem aktuellen Niveau liegen. Warum sollten also Banken, Versicherungen und Pensionsfonds, die etwa 80 Prozent der von den Euroländern ausgegebenen Staatsanleihen halten, ihre Papiere an die EZB abtreten?

Auf kurze Sicht macht ein Verkauf für die aktuellen Besitzer der Staatsanleihen zwar Sinn, weil die EZB überhöhte Preise bietet und Portfoliomanager damit satte Kursgewinne einfahren. Auf lange Sicht geht der Schuss aber nach hinten los. Kapitalanlegegesellschaften finden wegen des Niedrigzinsumfelds keinen ähnlich gut verzinsten Ersatz.

Lebensversicherungen beispielsweise dürften es sich gut überlegen, ob sie ihre Papiere an die EZB abtreten, weil dies im Endeffekt dazu führen könnte, dass sie die ihren Kunden versprochene Garantieverzinsung senken müssten.

Die Inflationsrate im Euroraum kletterte zuletzt schneller als von Ökonomen erwartet. Zwar ist das Ziel der EZB einer jährlichen Teuerung von 1,9 Prozent noch weit entfernt. Allerdings befindet sich in der Inflation eine Komponente, die Draghi nicht beeinflussen kann: Die Ölpreise. Sollten sie schneller steigen als erwartet, ließe sich die Inflationsprognose der EZB für 2016 bei 1,5 Prozent nicht halten.

Draghi müsste wieder zu den Problemen seiner ersten Jahre zurückkehren. 2011 und 2012 verfehlte er das Preisstabilitätsmandat der EZB mit Inflationsraten von 3,1 Prozent und 2,6 Prozent.