22.01.15

Ohne Doping geht es nicht! SNB will wieder Franken schürfen

Der Schweizer Franken macht die Erholung des Euros zunichte, und so sinkt der Wechselkurs unter EUR/CHF 1,00. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beginnt bereits zu nörgeln und versucht einen Spagat: Auf der einen Seite spricht sie sich für freie Kurse aus. Auf der anderen Seite will sie die Preisbildung am Devisenmarkt nicht akzeptieren.

Aktuell steht der Eurokurs bei 0,9930 Franken, nachdem er zuvor ein Hoch bei 1,0220 Franken erreichte. "Der Franken ist heute klar überbewertet, die Märkte überschießen. Wir gehen davon aus, dass diese Situation nicht anhält", erklärt der SNB-Direktor Fritz Zurbrügg im Gespräch mit der Zeitung Blick.

Zurbüggs Chef, Thomas Jordan, hatte sich bereits ähnlich geäußert. "Was wir jetzt beobachten, ist ein massives Überschießen", sagte Jordan der Neuen Zürcher Zeitung und Le Temps zwei Tage nach der plötzlichen Aufgabe des Euro-Mindestkurses bei 1,20 Franken.

Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt in den Äußerungen: Die SNB stellt sich gerade einen Persilschein aus, um wieder zu intervenieren. Zurbürgg erklärt in dem Interview zwar, dass es ihm wichtig sei, dass der Wechselkurs wieder vermehrt fluktuieren könne. Gleichzeitig legt er aber die Interventionskeule auf den Tisch, in dem er sagt:

"Wenn es zu außergewöhnlichen Bewegungen kommt, die geldpolitisch nicht vertretbar sind, sind wir bereit, wieder aktiv zu werden."

Aus den Stellungnahmen der SNB-Offiziellen geht hervor, dass eine solche außergewöhnliche Situation derzeit vorliegt, weil der Euro nicht gegen 1,10 Franken notiert sondern sich unter der Parität einnistet.

Die Chancen stehen somit gut, dass die Schweizerische Nationalbank demnächst wieder Euro-Stützungskäufe tätigen wird. Sie könnte sich dabei an einem Vorgehen aus den Jahren 2009/2010 orientieren. Damals intervenierte sie ohne einen Mindestkurs.

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