21.01.15

Eilt OeNB-Chef Nowotny Franken-Kreditnehmern zu Hilfe?

Die Schweizer Wirtschaft steht ohne Mindestkurs jeden Tag schlechter da. Am Devisenmarkt taucht der EUR/CHF-Kurs nach einem kurzen Aufbäumen wieder unter die Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 0,9980 Franken. In der Schweiz muss man für 1 Franken umgerechnet 1,0020 Euro hinblättern. Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny steht vor einer heiklen Entscheidung.

"Nach der Aufhebung des Mindestkurses zwischen Schweizer Franken und Euro durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 sind die Erwartungen der befragten Analysten in heftige Turbulenzen geraten", teilen Credit Suisse (CS) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit.

Ferner heißt es: "Im Januar 2015 habe sich der Konjunkturausblick für die Schweiz weiter eingetrübt." Der erhobene ZEW-CS-Index zu den Konjunkturerwartungen verschlechtert sich von -4,9 Punkten im Dezember 2014 auf -10,8 Zähler im Januar 2015. Ohne das plötzliche Mindestkurs-Aus hätten die Erwartungen in den positiven Bereich zurückgefunden, sagen die Forscher.

Schlichter

Die Europäische Zentralbank (EZB) stehe vor einem "interessanten Treffen", stellt der Chef der Österreichischen Nationalbank (OeNB), EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny, bei einer Konferenz in Wien fest. Für Nowotny ist der geplante Entscheid über den Kauf von Staatsanleihen ein Lackmustest, nachdem österreichische Fremdwährungskreditnehmer durch die erdrutschartigen Verluste beim EUR/CHF-Kurs tief ins Minus gerutscht sind.

Wenn sich Nowotny im EZB-Rat auf die Seite der Südeuropäer stellt, die ohne Reue Staatsanleihen aufsaugen wollen, würde das den Euro gegenüber dem Schweizer Franken weiter abschwächen. Seine Fremdwährungskreditnehmer im eigenen Land gerieten noch tiefer unter Wasser. Auf der anderen Seite kann sich Nowotny nicht plötzlich auf die Seite von Bundesbankchef Jens Weidmann schlagen, weil der Österreicher bisher Mario Draghis Entscheidungen mitgetragen hat.

Der im EZB-Rat dienstälteste Nowotny könnte damit ein Schlichter zwischen den Gegnern und Befürwortern werden. Denkbar wäre, dass die nationalen Notenbanken die Staatsanleihen ihres Heimatlandes aufsaugen und bei einem Ausfall auch alleine dafür haften. Mit einem solchen Kompromiss könnten wohl auch Weidmann und die 5-6 anderen Skeptiker im EZB-Rat leben.

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