22.01.15

EZB-Entscheid: Hat sich die Schweiz selbst ausgetrickst?

Die erste Reaktion des Euro-Franken-Kurses auf das Kaufprogramm von Staatsanleihen der EZB ist ermutigend. Nach einem kurzen Rücksetzer auf 0,9840 kann sich der EUR/CHF auf 0,9945 erholen. Vielleicht mag sich der ein oder andere bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nun denken: Hätten wir am Mindestkurs etwas länger festgehalten?

Unterdessen wird bekannt, dass die SNB den Mindestkurs aus Kostengründen aufgab. "In den Tagen vor dem Entscheid wurden die Interventionsbeträge immer größer", sagte Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg in einem Interview der Zeitung Blick. Hochgerechnet auf einen Monat hätte die Notenbank alleine im Januar 100 Milliarden Franken in die Verteidigung des Euro-Mindestkurses bei 1,20 Franken stecken müssen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach neuester Beschlusslage ab März 2015 jeden Monat 60 Milliarden Euro hauptsächlich über den Kauf von Staatsanleihen, aber auch durch den Erwerb von Pfandbriefen und ABS-Papieren, in die Märkte pumpen. Im Gegensatz zu dem Erdbeben-Entscheid der SNB genau vor einer Woche reagieren die Devisenmärkte diesmal gelassen.

Comeback

Vielleicht gelingt es der Eurozone doch noch die Kurve zu kratzen und wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte heute auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine neue Reformbereitschaft in Frankreich und Italien fest. Sollten die zweit- und drittgrößten Volkswirtschaften der Eurozone ihre Reformstaus während die EZB Staatsanleihen kauft abarbeiten, könnte vielleicht noch alles gut werden.

Der Euro würde sodann wieder aus eigener Kraft gegenüber dem Schweizer Franken steigen. In der Schweiz würde man sich ärgern, dass man mit einer verfrühten Wegnahme des Mindestkurses das Wachstum abwürgte und Arbeitsplätze im wechselkurssensiblen produzierenden Gewerbe sowie der Tourismusbranche unnötig verlor.