02.01.15

Neues Jahr, altes Lied: Grexit setzt EUR/CHF zu

Der Euro wird schwächer, während der Schweizer Franken von einer Mini-Kapitalflucht profitiert. Griechenlands Austritt aus der Eurozone (Grexit) schwebt wieder wie ein Damoklesschwert über dem aktuell bei 1,2020 notierenden EUR/CHF-Kurs. Gegenüber dem US-Dollar sinkt die Gemeinschaftswährung mit EUR/USD 1,2034 auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

"Griechenland war seit 2010 faktisch mehrfach insolvent. Immer wieder sei mit neuem Geld der Mitgliedsstaaten und der EZB die Insolvenz verschleppt worden", erklärt Wolfgang Stark, früherer Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), im Gespräch im der Süddeutschen Zeitung. Stark hatte aus Protest über die Rettungsmaßnahmen seinen Posten geräumt.

2,5 Milliarden Euro zogen griechische Sparer und Unternehmen im Dezember 2014 von ihren Konten ab. Die griechische konservative Zeitung Kathimerini spricht von einer Mini-Kapitalflucht, die sich durch die Sorgen der Bürger über die auf den 25. Januar 2015 vorgezogenen Neuwahlen erklären lasse.

Schlimmer als Kommunismus

Die öffentliche Diskussion über einen Grexit kocht wieder hoch, zumal das Syriza-Bündnis um Alexis Tsipras in den Umfragen vorne liegt. Tsipras Pläne seien schlimmer als Kommunismus, schrieb der Investment Analyst Joerg Spooner von der amerikanischen Capital Group, einer der größten Investmentgesellschaften der Welt, in einer internen Email.

Die Syriza-Pläne laufen darauf hinaus, dass man durch einen Schuldenerlass der Euroländer soziale Wohltaten wie freien Strom, höhere Mindestlöhne und Renten sowie eine Wiederaufblähung des öffentlichen Beschäftigung finanziert. Griechenlands Gläubiger sollen auf 62 Prozent verzichten, weil soviel auch Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erlassen wurde.

Eine weitere Forderung von Tsipras-Syriza ist die Zinszahlungen auf die verbliebenen Staatsschulden an künftige Wachstumsraten zu koppeln. Das heißt: Wenn die griechische Volkswirtschaft lediglich um 1 Prozent wächst, zahlt man auch nur 1 Prozent Zinsen auf die Staatsschuld. Bei einem Wachstum von 4 Prozent würden die Gläubiger einen Kupon von 4 Prozent bekommen.

"Die Schulden sind langfristig und zu niedrigen Zinsen finanziert. Wenn eine normale Inflation zurückkehrt, können die Griechen diesen Schuldenberg abtragen“, sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemens Fuest, dem Magazin Focus.

Solange in Griechenland die Kuh auf dem Eis ist und das Gerede über einen Grexit, der den gesamten Währungsraum ins Wanken bringen könnte, nicht verstummt, dürfte der Schweizer Franken als Fluchtwährung gefragt bleiben.

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