05.01.15

Merkel und Draghi lesen Athen die Leviten

Der Euro-Franken-Kurs bricht zum Wochenauftakt von 1,2030 auf 1,2006 ein. Im Währungsraum gilt wieder das Prinzip: Jedes Land muss sich seine Mitgliedschaft im Euro verdienen. Griechenland wird von Angela Merkel und Mario Draghi zuerst eingenordet. Haben sich die beiden Euro-Lenker aufeinander abgestimmt?

Während der EUR/CHF-Kurs knapp vor Untergrenze bei 1,20 halt macht, rauscht der EUR/USD-Kurs immer tiefer in den Keller. Die Gemeinschaftswährung sinkt am 4. Januar 2015 auf ein Rekordtief bei 1,1851 US-Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble hielten ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum inzwischen für verkraftbar, berichtet das Magazin Spiegel. Ein Regierungssprecher in Berlin dementiert den Bericht nicht, weshalb die Märkte einpreisen, dass ein Wahlsieg des Syriza-Bündnis zu einem Austritt Griechenlands aus dem Euroraum führen würde (Grexit).

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Die deutsche Bundesregierung lässt die Grexit-Debatte offenbar ganz bewusst laufen. In Berlin weiß man sehr wohl, wie man Presseberichten den Wind aus den Segeln nimmt. Als auf den Höhepunkten der Eurokrise immer wieder über gemeinsame Staatsanleihen spekuliert wurde (Eurobonds), ließ Merkel umgehend dementieren.

Fehlende Reformen "erhöhen das Risiko eines Ausscheidens (aus dem Euro)", schrieb Draghi in einem Gastbeitrag für die italienische Zeitung Il Sole 24 Ore zum Jahreswechsel. Es ist ein Novum, dass ein EZB-Präsident über Euro-Austritte spekuliert. Draghis Vorgänger, der Franzose Jean-Claude Trichet, bezeichnete einen Grexit einst als "absurd".

Merkel und Draghi wollen sich offenbar nicht länger auf der Nase herum tanzen lassen. Wenn sie bei Griechenland nachgäben, müssten sie als nächstes bei Zypern nachgeben und danach bei Portugal und bei Italien.

Auf einen weiteren Schuldenschnitt für Athen dürfte man sich daher nicht einlassen, zumal Griechenland auf seine gesamte Staatsschuld lediglich 2,4 Prozent Zinsen bezahlt. Bei Deutschland sind es hingegen 2,7 Prozent. Die griechische Zinsbelastung ist sehr niedrig, weil es sich bei den Gläubigern um Euroländer handelt, die im Rahmen der Rettungspakete Sonderkonditionen gewähren.