02.11.12

Eurokurs im Taumelmodus: Absturz auf 1,2052 nach 1,2110 CHF


Am Devisenmarkt finden die zaghaften Erholungsversuche des Euros gegenüber dem Schweizer Franken ein jähes Ende. Der Eurokurs fiel im Nachmittagshandel an Allerheiligen auf 1,2052 CHF. Das war der niedrigste Stand seit mehr als sechs Wochen. Die Gemeinschaftswährung ist in der Defensive, auch weil die technische Unterstützung bei 1,2065 recht deutlich unterboten wurde.

Derzeit kann sich der Euro ein wenig erholen und kostet heute Freitagmorgen 1,2064 CHF. Das ist in etwa ein halber Rappen unter dem Höchststand der Vorwoche bei 1,2110. Gegenüber dem US-Dollar fällt die Einheitswährung auf 1,2890 USD nach 1,3020 zur Wochenmitte. Die Euro-Stagflationswährung findet immer weniger Käufer.

Wenn die Schweizerische Nationalbank (SNB) aus dem Euro flieht, in dem sie still und heimlich 76 Milliarden Franken in US-Dollar umschichtet, könnten dem Beispiel weitere Anleger folgen. Volkswirte sprechen von einer selbsterfüllenden Prophezeiung, die die Schweizer Notenbanker durch das Abschmelzen ihrer Euro Währungsallokation von 60 auf 48 Prozent vollkommen unbeabsichtigt losgetreten haben könnte.

„Die selbsterfüllende Prophezeiung beschreibt das Phänomen, dass ein erwartetes Verhalten einer anderen Person (Prophezeiung) durch eigenes Verhalten erzwungen wird. Erwartet jemand ein bestimmtes Verhalten von seinem Gegenüber, erzwingt er durch eigenes Verhalten genau dieses Verhalten“, erklärt Wikipedia.

Durch den Verkauf von Euros könnte die SNB ungewollt eine Kettenreaktion ausgelöst haben. Privaten Investoren haben die Währungshüter signalisiert, dass sie nicht zu 100 Prozent von einer Aufwertung des Euros überzeugt sind, obwohl man das Gegenteil stets in der Öffentlichkeit beteuert. Wenn man es wäre, müsste man ja nicht seine Euros verkaufen.

Selbsterfüllende Prophezeizungen spiegeln sich auch in der Anlagestrategie von Investorenlegende George Soros wider, dem ehemaligen Kollegen von Jim Rogers. Soros spricht in diesem Zusammenhang von Reflexivität. Finanzmärkte und Fundamentaldaten schaukeln sich gegenseitig hoch. Es kommt zu einer Blasenbildung. Schließlich platzt die Blase, was in Bezug auf den Eurokurs CHF, die Aufgabe des Mindestkurses wäre.