01.11.12

Schweizer Detailhändler und Industrie ziehen an einem Strang

Die Schweizer Wirtschaft strotzt vor Kraft. Im Vergleich zum umliegenden Euroraum sind nicht nur zentralen Fundamentaldaten wie Arbeitslosenrate, Staatsverschuldung und Wirtschaftswachstum beneidenswert gut. Auch die Zahlen aus der zweiten Reihe überzeugen. Den Detailhändlern hilft die Kombination starker Franken mit Mindestkurs-Sicherheit. Die Industriekonjunktur verbessert sich deutlich.

Eidgenössische Einzelhändler freuten sich im September über ein reales Umsatzplus von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 4,5 Prozent gerechnet. Überdurchschnittlich fiel das Plus im Nicht-Nahrungsmittelsektor mit 6,8 Prozent aus, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte.

Die robusten Umsätze der Detailhändler führen die Experten der UBS auf die Etablierung des Mindestkurses zurück. Anfang September 2011 zog die Schweizerische Nationalbank bei einem Eurokurs von 1,20 CHF eine Linie in den Sand. Seither steigt die Geschäftslage. „Ein Grund hierfür dürfte die Wechselkursstabilität aufgrund der Kursuntergrenze zum Euro sein“, schreibt UBS Ökonom Caesar Lack.

Industrie

Ein wenig Sorge bereitet den Schweizer Wirtschaftslenkern noch die Lage in der Industrie. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe verharrt seit über einem Jahr (mit Ausnahme im März) unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Allerdings zeigt die Tendenz deutlich nach oben. Der PMI kletterte im Oktober auf 46,1 Punkte nach 43,6 Punkten im Vormonat.

„Immerhin haben sich die Aussichten im Oktober leicht aufgehellt; der beschleunigte Abwärtstrend der beiden Vormonate konnte gebrochen werden. So hat sich der Abbau des Auftragsbestands deutlich verlangsamt“, schreiben die PMI-Herausgeber Credit Suisse und procure.ch. Es lasse sich aber noch nicht abschätzen, ob es sich beim Oktober-Anstieg nur um eine kurzfristige Verbesserung oder bereits um eine Bodenbildung handele.

Frankenkurs

Am Devisenmarkt lässt sich die große Kluft zwischen der wirtschaftlich gesunden Schweiz und dem kranken Euroraum ablesen. Der Schweizer Franken wertete gestern während des Nachmittagshandels auf 1,2063 pro Euro auf. Derzeit wird die Gemeinschaftswährung bei 1,2072 Franken gehandelt.

Ein Absturz des Eurokurses auf 1,2030 CHF könnte in den nächsten Tagen wahrscheinlicher werden als ein abermaliger Anstieg über die Marke von 1,21 CHF. Die Erholungstendenzen des Septembers, als der Euro zwischenzeitlich auf 1,2182 CHF stieg, konnte die Einheitswährung nicht in den Herbst herüber retten.