19.08.12

„Geld in ein Fass ohne Boden zu werfen“, Schäuble über Hellas

Griechenland will die Aufmerksamkeit zurück. Die nächste Finanzierungslücke ist da. Spekulationen über ein drittes Hilfspaket erteilt Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble eine Absage. Man könne nicht verantworten „Geld in ein Fass ohne Boden zu werfen“, sagte Angela Merkels Kassenwert auf einer Veranstaltung in Berlin.

Die Wahrnehmung der Schuldenkrise hat sich in den letzten Wochen durch die Rallye an den Aktienmärkten verändert. Investoren denken um, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) die Bereitschaft zu umfangreichen Aufkäufen von Staatsanleihen durchblicken ließ. Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock, bei dem der frühere SNB-Chef Philipp Hildebrand arbeitet, gab bekannt, spanische Staatsanleihen gekauft zu haben.

Man habe spanische Schuldscheine mit kurzer Laufzeit erworben, sagte der Chief Investment Officer Rick Rieder von BlackRock. Er sei ermutigt worden von den politischen Entscheidungsträgern der Eurozone. Seit Ende Juni fühle er sich als Besitzer von Staatsanleihen, die aus dem Euroraum stammen, wohler. Allerdings bleibe man vorsichtig.

„Es wird nicht passieren. Es sei denn, Griechenland verletzt alle Auflagen und hielte sich an keine Vereinbarung“, beschreibt Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker den viel diskutierten Ausstieg der Griechen aus der Eurozone (Grexit). Erst im Falle einer totalen Verweigerung bei Haushaltskonsolidierung seitens der griechischen Regierung würde man sich mit dieser Frage beschäftigen, sagte Junkcer der „Tiroler Tageszeitung“.

Eine solche Verweigerung will Juncker bisher nicht diagnostizieren. Die Regierungspartner von Angela Merkel, die CSU und die FDP, schon. Die CSU macht mittlerweile keinen Hehl mehr daraus, die Griechen außerhalb des Euros haben zu wollen. Weil Griechenland nach neuen Berechnungen, die der Zeitschrift „Spiegel“ vorliegen, 14 Milliarden Euro fehlen, ist eine Verweigerungshaltung objektiv ersichtlich.

Die Programmländer Portugal und Irland kommen mit denen ihnen zugesagte Hilfssummen zurecht. Der neue griechische Regierungschef, Antonis Samaras, hat bisher nicht erklärt, wie er die Lücke schließen will. Stattdessen besucht er am kommenden Freitag Angela Merkel in Berlin, um für einen Fristaufschub zu werben.

Weil ein drittes Hilfspaket für Griechenland sehr schlechte Aussichten hat durch die Parlamente der nordeuropäischen Euroländer zu kommen, beabsichtigt man offenbar den Hellenen einen Rabatt auf die Zinsen zu gewähren oder eine komplette Stundung einzuräumen. In Brüssel will man Hellas offenbar auf jeden Fall im Euroraum halten, koste es, was es wolle.

„Wenn wir ein Land mit drei Prozent der europäischen Gesamtverschuldung nicht in der Euro-Zone halten können, dann wird uns niemand die Lösung der großen Probleme zutrauen“, sagte EU-Kommissar Günther Oettinger der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.