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20.03.16

Deutschland verbittet sich Helikoptergeld

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die nächste Rezession in Euroland kommt. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wenn es soweit ist, werden weder Zinssenkungen noch Anleihekäufe helfen, die Konjunktur wieder flott zu machen. Beide Instrumente hat die Europäische Zentralbank (EZB) bereits verballert. Deswegen muss Helikoptergeld her. Der Deutschen Bundesbank schwant böses. Sie spricht von einem waghalsigen Instrument.

"Das ist ein sehr interessantes Konzept, das jetzt von Wirtschaftswissenschaftlern diskutiert wird", sagt EZB-Chef Mario Draghi über das Helikoptergeld. Es basiert auf einer Idee des US-Ökonomen Milton Friedman von 1969. Geld aus dem Hubschrauber zu werfen, das die Bürger dann aufsammelten, sei demnach eine sicherer Weg die Wirtschaft anzukurbeln und eine Deflation zu bekämpfen.

Im Gespräch ist, dass die EZB jedem im Euroraum ansässigen Bürger beispielsweise 500 Euro oder 1.000 Euro auf das Bankkonto überweist. Denkbar wäre auch, dass Banken das Geld im Auftrag der EZB in bar gegen die Vorlage eines Ausweisdokumentes auszahlen. Darüber hinaus kursieren Gerüchte über Abwandlungen: So könnte die EZB der EU-Kommission Geld für Konjunkturprogramme schenken.

"Statt immer waghalsigere geldpolitische Experimente ins Spiel zu bringen, wäre es sinnvoll, einmal innezuhalten", sagt Bundesbank-Chef Jens Weidmann der Funke-Mediengruppe. Bei Geldgeschenken an die Bürger handele es sich um eine hochpolitische Entscheidung, die Regierungen und Parlamente fällen müssten. "Die Notenbanken haben dazu kein Mandat, auch weil damit eine massive Umverteilung verbunden wäre", so Weidmann.

Die meisten Mitglieder im EZB-Rat dürften das anders sehen. Für die Notenbanker aus Südeuropa gibt es keine Grenzen, wie das jüngste Lockerungspaket zeigt. Die Südeuropäer können Weidmann ohne weiteres überstimmen. Wenn die gerade beginnende Diskussionsphase abgeschlossen ist, dürfte es somit auf einen Hubschraubereinsatz der EZB hinauslaufen. Vor einigen Jahren war es auch noch völlig undenkbar, dass die EZB jemals Staatsanleihen kaufen würde.