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22.10.15

EZB macht Euro mürbe

Die Katze ist aus dem Sack: EZB-Chef Mario Draghi signalisiert aus Malta weitere Lockerungen der Geldpolitik. Der Eurokurs sinkt daraufhin von 1,0905 auf 1,0830 Franken. Der Italiener sieht wegen der tiefen Inflation kein Licht am Ende des Tunnels. Einige Banken werden nun darüber nachdenken müssen, ob EUR/CHF-Prognosen über 1,10 noch Sinn machen.

"Besorgnisse über die Wachstumsperspektiven in den aufstrebenden Schwellenländern und mögliche Rückstöße für die Volkswirtschaften der Industrieländer wegen den Entwicklungen am Rohstoffmarkt signalisieren Abwärtsrisiken für Wachstum und Inflation", sagt Draghi nach der EZB-Ratssitzung, die dieses Mal in Malta stattfand.

Das Ausmaß der geldpolitischen Lockerungen müsse auf der nächsten Sitzung im Dezember "überprüft werden". In der Notenbank-Sprache des Italieners bedeuten diese Worte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Geldhahn weiter aufdrehen wird. Draghi lehnt sich mit seinen Ankündigungen recht weit aus dem Fenster und kann jetzt eigentlich nicht mehr zurück.

Neben einer Aufstockung oder einer zeitlichen Ausweitung des monatlichen Ankaufs von Staatsanleihen stehe auch eine Senkung des Einlagensatzes auf der Prüfliste, signalisiert Draghi. Dass der bei -0,20% liegenden Zins, mit dem Einlagen von Geschäftsbanken auf EZB-Konten "versteuert" werden, stabil gehalten wird, wollte Draghi nicht bestätigen.

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"Ich bin ziemlich baff. Die größte Überraschung ist für mich, dass der negative Einlagensatz nun wieder im Spiel ist. Das hätte ich so nicht erwartet, weil wir doch vor einem Jahr die Aussage bekommen haben, dass die Zinsen ihre Untergrenze erreicht hätten", zitiert Reuters den Ökonomen Kristian Tödtmann von der Deka Bank.

Gemäß einer aktuellen Prognose der Deka Bank soll der Eurokurs auf 1,12 Franken steigen. Diese Vorhersage könnte sich nun als zu hoch angesetzt herausstellen. Der nicht enden wollende Lockerungszyklus im Euroraum untermauert eine bei 1,02 liegende EUR/CHF-Prognose der Commerzbank.

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