17.09.15

Zinssenkung das Horror-Szenario schlechthin für den Euro

Der Euro hat mit dem Anstieg auf 1,11 Franken im Prinzip das Maximale herausgeholt. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,1050 Franken. Das ergibt einen auf zwei Nachkommastellen gerundeten Wechselkurs von 1,11. Die Gefahren einer Rolle rückwärts steigen tagtäglich. Die Geldmärkte rechnen mit einem Paukenschlag. Sie preisen eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) ein.

"Eine Senkung des Einlagensatzes ist eine Möglichkeit", zitiert Reuters den Chef-Volkswirt Antonio Pascual von der Barclays Bank. Die Wahrscheinlichkeit einer Einlagenzins-Senkung der EZB liegt bei etwa 20%, sagen Analysten mit Verweis auf die jüngsten Zinsentwicklung der Geldmarktsätze für den EONIA (Euro OverNight Index Average).

Der Einlagensatz liegt im Euroraum derzeit bei -0,20%. Dass noch Spielraum für Senkungen da ist, zeigt die Schweiz. Dort gibt es einen Strafzins auf Einlagen der Banken bei der Schweizer Notenbank von -0,75%.

Strafzins vs. QE

Den Finanzmärkten dämmere nun, dass eine Senkung des Einlagensatzes sehr viel effektiver ist den Euro abzuschwächen, als eine Ausweitung der Käufe von Staatsanleihen, heißt es in dem aufschlussreichen Reuters-Artikel. Dies deckt sich mit der Einschätzung vieler Währungexperten. Sie sagen: Die massive Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar gehe vor allem auf die negativen Zinsen im Euroraum zurück. Entscheidend war der Juni 2014, als die EZB den Strafzins einführte.

Die Wechselkursentwicklung der letzten sechs Monate zeigt, dass die Käufe von Staatsanleihen (QE) den Euro im Grunde genommen nicht weich machen. Der Euro wertete seit dem Beginn von QE gegenüber dem Dollar sogar um 8% auf.

Es lässt sich somit mit Fug und Recht behaupten, dass der negative Einlagensatz im Euroraum auch maßgeblich dazu beitrug, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu Jahresbeginn den Mindestkurs aufgab. Während der Euro-Dollar-Kurs ungehindert in den Keller rauschen konnte, war für den Euro-Franken-Kurs der Weg bei 1,20 versperrt. Als die SNB dem Verkaufsdruck nicht mehr standhalten konnte, gab sie die Stützgrenze auf. Der Euro fiel anschließend wie ein Stein auf 0,86 Franken.

Inzwischen gelang es dem Euro einen Teil der Verluste durch den Anstieg auf 1,11 Franken wettzumachen. Die Erholung droht von der Europäischen Zentralbank durch eine Paukenschlag, nämlich genau das wäre eine Senkung des Einlagensatzes, zunichte gemacht zu werden.