28.02.15

Schweiz zieht Franken-Kreditnehmer durch den Kakao

Auf eine Institution werden sich Franken-Fremdwährungskreditnehmer nie wieder verlassen: Die Schweizerische Nationalbank (SNB). Sie hob aus heiterem Himmel den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken auf. Österreichische Häuselbauer und deutsche Kämmerer, die sich in Schweizer Franken verschuldeten, stehen vor einem Scherbenhaufen. Die Schweiz hat sie alle über den Tisch gezogen.

"Ändert sich der Kurs des Franken um einen Rappen gegenüber dem Euro, bedeutet das für die Stadt eine Veränderung um 400 000 Euro – nach unten oder oben", schreibt die Neue Osnabrücker Zeitung. Die Stadt Osnabrück steht mit 49,4 Millionen Franken in der Kreide.

Der plötzliche Kurssturz des Euros zum Franken schlägt sich in den Büchern der Stadt mit einem Verlust von 7,3 Millionen Euro nieder. Ein typischer Franken-Fremdwährungskreditnehmer, der sich im Gegenwert von 150.000 Euro in Franken verschuldete, muss zusätzliche Buchverluste von 25.000 Euro verkraften.

Den Verantwortlichen der Schweizerischen Nationalbank sind die Kreditnehmer ziemlich egal, wie die plötzliche Aufgabe des Mindestkurses unterstreicht. Die Gleichgültigkeit ist insofern interessant, weil es ausländische Franken-Kreditnehmer waren, die vor der Finanzkrise einen merklichen Beitrag zum Schweizer Wirtschaftswachstum leisteten.

Schweizer Erfolgsrezept

Die Schweiz war stets darauf bedacht ihre Zinsen niedriger zu halten als im Euroraum. Dies führte zu einem Frankenkredit-Boom. Kommunen wie Osnabrück und Essen nahmen ebenso wie österreichischen Häuselbauer Frankenkredite auf. Dies trug maßgeblich dazu bei, dass der Eurokurs wegen der Franken-Schwemme bis Oktober 2007 auf 1,68 CHF kletterte.

Für die die Schweizer Exportwirtschaft war die von Fremdwährungskreditnehmern ausgelöste Aufweichung des Frankens ein Garant für gut laufende Geschäfte. Bei tieferen Euro-Franken-Kursen hätte man nicht so viel in den Euroraum exportieren und auch nicht so hohe Löhne zahlen können.

Das Mindestkurs-Ende am 15. Januar 2015 war nicht nur eine Folge davon, dass die SNB aufgrund jahrelanger Wechselkursmanipulation nicht mehr beherrschbare Risiken durch die Anhäufung von Devisenreserven auf sich nahm. Vielmehr funktionierte das aus der Schweizer Sicht äußerst lukrative Geschäftsmodell mit den Fremdwährungskrediten nicht mehr.

In Österreich hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Vergabe von Fremdwährungskrediten verboten. Die deutschen Kommunen winken beim Thema Frankenkredite schon seit langem ab. In Ungarn werden Franken-Kreditnehmer per Gesetz zurück in die Landeswährung zwangskonvertiert.

Die Schweizer Exportwirtschaft, die jahrelang von einem weichen Franken, den ihn SNB und Fremdwährungskreditnehmer auf dem Silbertablett präsentierten, profitierte, muss nun harte Einschnitte vornehmen. Viele Unternehmen erhöhen derzeit die Wochenarbeitszeit auf 43-44 Stunden, um wieder wettbewerbsfähig zu werden.