20.01.15

Vertrauensschutz Ade: Was das für den EUR/CHF bedeutet

Der Eurokurs klettert von 0,9745 Franken auf 1,0220 Franken (+4,87 Prozent). Es folgt ein Rücksetzer auf 1,0080. In Anbetracht der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist mit einer raschen Erholung der Gemeinschaftswährung nicht zu rechnen. Die Schweiz schlittert in eine Rezession, was den Franken in 2016 endlich abschwächen soll.

"Im Hinblick auf die EZB erwarten wir tiefere Kurse in EUR/CHF in Richtung 0,9800", heißt es in einem aktuellen Marktbericht der St.Galler Kantonalbank.

Bei der Europäischen Zentralbank dürfte man die Hau-Ruck-Aktion der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken plötzlich aufzugeben, mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen.

Der Euro hat im Sog der Mindestkurs-Aufgabe gegenüber dem US-Dollar weiter abgewertet. Dadurch verbessern sich die Exportaussichten für Euroländer. Ferner facht der schwache Euro die Inflation an, weil Rohstoffe wie Öl, das zuletzt etwas steigen konnte, in Dollar bezahlt werden. Darüber hinaus werden Investitionen für Amerikaner und Asiaten in Europa günstiger.

Vertrauensschutz?

Die schlechte Nachricht ist der Vertrauensverlust. Mario Draghis mit Worten und Versprechen agierende EZB sollte das zu spüren bekommen. Die SNB hat die Finanzmärkten nach Strich und Faden belogen. Das hat Auswirkungen auf die nach der Finanzkrise von den Notenbankern entwickelte Forward Guidance, das Versprechen für eine lange Zeit die Zinsen tief zu lassen.

Auch das Versprechen von Mario Draghi unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, um Euroländern vor Pleiten zu bewahren, dürfte stärker hinterfragt werden. Nicht zuletzt könnte sich Draghis Rettungskurs, Zentralbankgeld gegen ein Mitspracherecht in die Wirtschaftspolitik einzelner Euroländer einzutauschen, als großer Fehler herausstellen.

Nur die Märkte seien in der Lage Regierungen über höhere Zinsen zu disziplinieren, sagen Kritiker. Nicht gewählte Notenbanker - Draghi wurde von Merkel und Sarkozy im Hinterzimmer in Brüssel zum EZB-Chef gemacht - würden von Politikern nicht ernst genommen.

Tobias Straumann, Wirtschaftshistoriker und Privatdozent an der Universität Zürich, rechnet bei einem dauerhaften Unterbieten des Euros von 1,10 Franken mit einer Rezession für die Schweiz.

Sollte sich die Schweiz der trägen Konjunktur im Euroraum anpassen und sich Draghis Kurs doch noch als richtig herausstellen, dürfte der Euro gegenüber dem Schweizer Franken steigen. Mit einer spürbaren Aufwertung des Euros ist gemäß den Prognosen aber frühestens 2016 zu rechnen. Viele Banken sehen den Euro 2015 unter der Parität. BNP Paribas ist mit EUR/CHF 1,02 etwas optimistischer.

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