19.01.15

Schweiz zahlt 10 Milliarden Franken Mindestkurs-Mitgift

Die Schweiz hat dem maroden Euroraum noch einmal zehn Milliarden Franken spendiert. Künftig soll es kein Geld mehr geben. Der Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken, ihn gibt es nicht mehr. Damit verschwindet die Notwendigkeit über die Notenpresse finanzierte Euro-Stützungskäufe zu tätigen. Ganz aus dem Schneider ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) aber nicht.

An den Handelstagen eins und zwei nach der Aufhebung des Mindestkurses bei 1,20 klettert der Euro von 0,9746 Franken auf aktuell 1,0070 Franken (+3,32 Prozent). Das "Bigger Picture" zeigt, dass sich die Wechselkursentwicklung in etwa mittig zwischen zwei Extrempunkten befindet. Das eine Extrem wurde am 15. Januar 2015 bei einem Umrechnungskurs von EUR/CHF 0,86 markiert. Das andere am 22. Mai 2013 bei 1,2650.

Die Sichteinlagen der schweizerischen Banken bei der Nationalbank kletterten von
  • 329,059 Milliarden Franken per 9. Januar 2015 auf
  • 339,614 Milliarden Franken per 16. Januar 2015.
Der Anstieg ist ein Indiz dafür, dass die Schweizerische Nationalbank am Devisenmarkt intervenierte. Demnach hat die SNB in der letzten Woche etwas mehr als zehn Milliarden Franken über die Notenpresse geschöpft und gegen Euros eingewechselt. Solche Euro-Stützungskäufe soll es künftig nur noch im Notfall geben.

Die Euro-Untergrenze bei 1,20 Franken muss nicht länger verteidigt werden, weshalb es keine Notwendigkeit gibt Euro-Stützungskäufe durchzuführen. Sollte der Euro allerdings entgegen den Erwartungen der Prognostiker auf das Extrem bei 0,86 Franken abrutschen, würde die Nationalbank eingreifen. Vorbeugend teilte sie im Zuge des Mindestkurs-Aus mit, dass man am Devisenmarkt aktiv bleiben werde.

Nachdem sich viele Devisenakteure und Broker wegen der Aufhebung des Mindestkurses die Finger verbrannt haben, werden bereits neue Wetten abgeschlossen. Nun setzt man darauf, dass die Nationalbank Spekulanten, die einst mit dem Mindestkurs im Rücken risikolos auf eine Euro-Aufwertung wetten wollten, nicht erneut im Regen stehen lässt.

Hinter den neuen Wetten steckt die Annahme, dass die SNB den Euro nicht auf 0,86 Franken fallen lassen kann, weil sie dadurch pleite ginge. Wahrscheinlicher sei es demnach auf einen sporadischen Anstieg des Euros auf 1,15-1,20 Franken zu setzen.