21.12.14

Ex-Chefökonom der SNB fordert Mindestkurs-Senkung auf 1,10

Namhafte Vertreter des Schweizer Finanzplatzes wollen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ihr Lieblingsspielzeug wegnehmen. Der Mindestkurs steht nach der überraschenden Einführung von Negativzinsen in der Kritik. Man solle ihn auf EUR/CHF 1,10 senken, sagt der frühere Chefökonomen der SNB. Dass die Schweizer Währungshüter allesamt Vasallen der Europäischen Zentralbank (EZB) sind, wird an einem anderen Detail sichtbar.

"Der fixe Wechselkurs zum Euro war vom Anfang an eine Schnapsidee", schreibt der frühere UBS-Vorsitzende Oswald Grübel in seiner Kolumne in der Schweiz am Sonntag. "Aber wer weiß, wenn wir mit dieser Vehemenz so weitermachen, werden wir bald der Eurozone beitreten können", warnt Grübel, der nicht nachvollziehen kann, warum man den starken Franken an den schwachen Euro bindet.

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Die Einführung negativer Zinsen hat bisher nicht die gewünschte Wirkung entfaltet. Zwar kletterte der Euro zunächst von 1,2006 auf 1,2095 Franken. Anschließend sickerte jedoch die Stärke des Schweizer Frankens wieder durch und der Euro purzelte auf 1,2030 Franken.

"Aber er bewirkt nichts", moniert Kurt Schiltknecht, Ex-Chefökonom der SNB, über den Entscheid negative Zinsen einzuführen in der Samstagsrundschau von Radio SRF. "Manchmal macht die Notenbank auch etwas für die Tribüne, damit die Leute draußen zufrieden sind", plaudert Schildknecht aus dem Nähkästchen.

"Ein Mindestkurs von 1,10 Franken würde den Druck wegnehmen, weil man wüsste, dass er eine Größe erreicht hat, die glaubwürdig ist", ist sich Schildknecht sicher.

Überraschungscoup

Weil es auch Devisenexperten gibt, die als nächstes mit einer Anhebung des Euros-Mindestkurses auf 1,25 Franken rechnen, werden die Karten neu gemischt. Gleichzeitig wird die Lage immer undurchschaubarer. Die Wahrscheinlichkeit für ein Eintreten eines Extremszenarios, in dem die SNB den Mindestkurs plötzlich abschafft, steigt.

Derweil wurde wieder einmal deutlich, dass die SNB eine Vasallin der Europäischen Zentralbank ist. So gilt der Negativzins in der Schweiz ab dem 22. Januar 2015. An diesen Tag findet die nächste EZB-Sitzung statt, auf der es einen Entscheid für ein Kaufprogramm von Staatsanleihen geben dürfte.

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