22.12.14

Märkte wollen Mindestkurs an den Kragen gehen

Mit gut drei Milliarden Franken ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) in der letzten Woche recht glimpflich davon gekommen. Hätte sie nicht mit dem Negativzins-Coup die Märkte überrascht, wären die Euro-Stützungskäufe wohl deutlich größer ausgefallen. Aufgeschoben sei aber nicht aufgehoben, sagen die Verfechter eines stärkeren Franken.

Der Euro-Franken-Kurs notiert aktuell für seine Verhältnisse mit 1,2035 recht komfortabel über dem Mindestkurs. Unterdessen kletterten die Sichtguthaben inländischer Banken bei der SNB von
  • 313,02 Milliarden Franken per 12. Dezember 2014 auf
  • 316,13 Milliarden Franken per 19. Dezember 2014.

Der Anstieg ist ein Indiz dafür, dass die Schweizerische Nationalbank am Devisenmarkt intervenierte. Demnach hat die SNB in der letzten Woche 3,11 Milliarden Franken über die Notenpresse geschöpft und gegen Euros eingewechselt.

Sackgasse

Es hagelt Kritik nach dem Überraschungscoup der SNB. Der Negativzins-Entscheid der Nationalbank wirke auf ihn hilflos. Er zeige, dass sich die Nationalbank in etwas hineingeritten habe, aus dem sie nun fast nicht mehr rauskomme, sagte der renommierte Investor und Bankier Martin Ebner im Gespräch mit der Zeitung Schweiz am Sonntag.

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel bezeichnet den Mindestkurs als eine "Schnapsidee". Der frühere Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der SNB, Kurt Schiltknecht, fordert eine Absenkung der Euro-Untergrenze auf 1,10 Franken und stuft den Negativzins-Entscheid als öffentlichkeitswirksame Schaumschlägerei ein.

Vieles spricht dafür, dass die SNB in wenigen Wochen nicht mehr mit drei Milliarden Franken über die Runden kommen wird. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio warnte vor einem gefährlichen Teufelskreislauf. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe Angst vor einer Deflation, sagte der Portugiese der deutschen Zeitung Wirtschaftswoche.

Alles spricht nun dafür, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung am 22. Januar 2015 den Kauf von Staatsanleihen verkünden wird. Ein solche quantitative Lockerung würde es für die SNB noch aufwendiger machen den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken durchzusetzen.