29.12.14

Mindestkurs bricht! 1 Euro = 1,1989 Franken

Der Eurokurs schleicht sich klammheimlich unter 1,2000 Franken. Am 1. Weihnachtstag bezahlen einige Marktteilnehmer für den Euro lediglich 1,1989 Franken. Damit bekommt der Mindestkurs den zweiten Kratzer. Über Ostern 2012 wurde er schon einmal unterschritten.

Am 2. Weihnachtstag beschwichtigt die Schweizerische Nationalbank (SNB): "Bei den in den Medien gemeldeten Kursen handelt es sich um unverbindliche Preisindikationen, die einzelne Banken ihren Kunden offerieren. Die zitierten Daten zeigten daher in keiner Weise an, dass im Interbankenmarkt Transaktionen unter 1,20 Franken pro Euro stattgefunden hätten."

Hintergrund: Der Devisenmarkt ist ein sogenannter Over-The-Counter Markt, an dem grundsätzlich jeder Kurse stellen kann, wie er gerne möchte. Eine Devisenbörse gibt es ebenso wenig wie verbindliche Handelszeiten. Die Musik spielt am so genannten Interbankenmarkt, an dem die größten Banken der Welt (inklusive der Notenbanken) handeln.

Am Interbankenmarkt können die Banken jederzeit Euros für mindestens 1,20 Franken eintauschen. Dafür sorgen unbegrenzte SNB-Kaufaufträge, die rund um die Uhr gültig sind. Theoretisch kann es somit nicht zu einem Unterschreiten der Untergrenze kommen.

Weiterlesen: Ein Loch im Devisensystem der SNB?

In der Praxis ist ein Bruch des Mindestkurses am Interbankenmarkt nur bei immens großen Handelsvolumen, ausgelöst beispielsweise durch die plötzliche Bekanntgabe eines Kaufprogramms von Staatsanleihen durch die EZB oder dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone, möglich.

Sinkt der Euro für einige Sekunden wegen eines immensen Verkaufsdrucks beispielsweise auf 1,1985 Franken, greifen sofort Arbitrageure ein. Sie kaufen Euros bei 1,1985 Franken und verkaufen sie für 1,2000 Franken an die SNB. Damit könnten sie einen risikolosen Gewinn (Free Lunch) einstreichen, weshalb Arbitragemöglichkeiten extrem kurzlebig sind.

Die SNB kann somit mit Fug und Recht behaupten: Der Mindestkurs sei zu keiner Zeit verletzt worden - vielmehr sei der Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro auch über die Festtage "jederzeit sichergestellt".

Aktuell werden am Interbankenmarkt für den Euro Kurse von 1,2025 Franken bezahlt. Das Devisenpaar befindet sich wieder recht komfortabel über dem Interventionsbereich der Schweizerischen Nationalbank.