15.12.14

Bis 2020? Eine halbe Dekade Mindestkurs drauf

Der Euro kommt nur noch sporadisch über 1,2010 Franken hinaus, nachdem Frankreichs Kreditrating sinkt. Darüber hinaus spielt die in den Keller rauschende Teuerung in der Schweiz den Anhängern eines stärkeren Euros übel mit. Weil der Mindestkurs für die Ewigkeit ist, wird die Schweiz nach Litauen das 20. Euroland.

"Der schwache Wirtschaftsausblick beeinträchtigt die Haushaltskonsolidierung und die Stabilität der Schuldenquote", begründet die Ratingagentur Fitch die Abstufung der französischen Bonität von "AA+" auf "AA". Eine Woche zuvor hatte Standard & Poor's das Kreditrating Italiens auf nur eine Stufe über dem Ramschanleihen-Niveau gesenkt.

Die Abstufungen drücken den Euro-Franken-Kurs, weil sie dazu beitragen, dass sich Anleger die recht hohen Realzinsen auf Schweizer Staatsanleihen etwas genauer ansehen. Frankreich ist kein sicherer Hafen mehr. Investoren stehen damit vor der Wahl, ob sie sie in Deutschland Geld gegen Gebühr anlegen dürfen (negativer Realzins) oder in die Schweiz gehen, wo es noch positive Zinsen gibt.

20. Euroland

Weil neben den Schweizer Konsumentenpreise auch die Import- und Produzentenpreise immer tiefer in den Keller rauschen, ist kein Ende der Mindestkurspolitik in Sicht. Die Erzeugerpreise sanken im November um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, teilte das Bundesamt für Statistik in Neuchâtel heute mit.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat klar gemacht, dass sie erst von Mindestkurs abweicht, wenn die Teuerung mit einem Tempo von gegen 1 Prozent steigt. Dies könnte gemäß den jüngsten Inflationsprognosen der SNB noch eine halbe Dekade dauern. In der Zwischenzeit hält die SNB an dem Euro-Boden bei 1,20 Franken fest, in dem sie die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kopiert.

Die Schweiz ist damit de facto ein Mitglied des Euroraums, weil sie ihre geldpolitische Unabhängigkeit gegen den Mindestkurs eingewechselt hat. Ob das Tauschgeschäft ein gutes war, kann aufgrund der hohen Bilanzrisiken, die die SNB mit der Anhäufung von Devisenreserven auf sich nehmen musste, noch nicht abschließend gesagt werden.

Weiterlesen:
Ist die Schweiz die größte Währungskriegerin der Welt?