16.12.14

Euro verlobt sich mit der Schweizer Untergrenze

Der Euro sinkt auf 1,2006 Franken. Das ist der niedrigste Stand seit 27 Monaten. Nach Angaben von Händlern werden im Markt ab einem Kurs von 1,2009 Kaufaufträge der Schweizerischen Nationalbank (SNB) wirksam. Sie hat ein Interesse vor dem Erreichen der Untergrenze einzugreifen, um Kurse unter EUR/CHF 1,20, die an ihrer Glaubwürdigkeit zur Verteidigung des Mindestkurses kratzen würden, zu verhindern.

Der Euro kann momentan gegenüber dem US-Dollar kräftig zulegen. Die Gemeinschaftswährung klettert von 1,2246 Dollar auf 1,2520 Dollar (+2,24 Prozent). Bei dem als "Cross" bezeichneten EUR/CHF-Devisenpaar kommt aber von dieser Stärker nichts an. Die Ursache: Der US-Dollar wertet auch gegenüber dem Schweizer Franken ab. Der USD/CHF-Kurs sinkt von 0,9817 auf 0,9590 (-2,31 Prozent).

"In den kommenden Quartalen dürfte der EUR-CHF-Kurs mit nur wenig Abstand zum Mindestkurs der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von 1,20 notieren. Denn die Argumente für einen starken Franken bleiben dominant", heißt es in einem aktuellen Bericht der DekaBank. Das Spitzeninstitut der deutschen Sparkassen sieht den Euro in 3 Monaten bei 1,20 Franken und in 6 Monaten bei 1,21 Franken.

Konjunktur

Der Euro kratzt am Mindestkurs bei 1,20 Franken, obwohl er konjunkturell durchaus Anstiegsargumente vorfände. Italiens Handelsüberschuss erhöhte sich von 2,02 Milliarden Euro im September auf 5,40 Milliarden Euro im Oktober, teilte die Statistikbehörde Istat heute mit. Das war deutlich mehr als das von Ökonomen prognostizierte Plus von 1,97 Milliarden Euro.

Auch die Stimmung in den Chefetagen des verarbeitenden Gewerbes hat sich verbessert. Der von Analysten mit Argusaugen beobachtete Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Euroraum kletterte um 0,7 Zähler auf 50,8 Punkte. In Deutschland liegt der PMI mit 51,2 Zählern noch weiter über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Die Konjunkturerwartungen für Deutschland und den Euroraum zeigen ebenfalls nach oben. Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebenen Indizes steigen deutlich stärker als erwartet. Der bunte Strauß guter Konjunkturdaten ist allerdings nicht dazu in der Lage, den Euro gegenüber dem Schweizer Franken etwas anzuheben.

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