9.12.14

Die Uhr tickt: Franken-Kreditnehmer haben bis 2017 Zeit

Folgende Regel gilt: Alsbald die Inflation in der Schweiz auf 1,0 Prozent steigt, gibt die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs auf. Auf den ersten Blick ist die derzeit bei -0,1 Prozent liegenden Teuerung nicht so weit von der Einprozentmarke entfernt. Der Eindruck täuscht jedoch. Zieht man die neuesten Inflationsprognosen heran, bleibt es bei der Euro-Untergrenze von 1,20 Franken bis zum Jahr 2017. Franken-Fremdwährungskreditnehmer atmen auf.

Der Eurokurs bringt es derweil trotz viel versprechender Großwetterlage wieder einmal nicht fertig über den charttechnischen Widerstand bei 1,2030 Franken zu hopsen. Stattdessen nimmt der Umrechnungskurs Tuchfühlung mit dem roten SNB-Interventionsbereich bei 1,2000-1,2010 auf. 1 Euro ist aktuell 1,2017 Franken wert.

Die jährliche Inflationsrate in der Schweiz lag im November 2014 bei -0,1 Prozent, teilte das Bundesamt für Statistik (BFS) gestern in Neuchâtel mit. Damit ist die Mindestkursaufgabe-Marke 1,1 Prozent entfernt. Im Oktober 2014 lag eine Abkehr von dem EUR/CHF-Boden zeitlich etwas näher. Damals hatte die Teuerung 0,0 Prozent betragen.

Mindestkurs: Noch 3 Jahre drauf

Gemäß den heute veröffentlichten Teuerungsprognosen erwartet das Bundesamt für Statistik für 2015 einen Anstieg der Verbraucherpreise im Mittel von 0,2 Prozent. 2016 soll die Teuerung sodann bei 0,4 Prozent liegen. Das wäre um mehr als die Hälfte unter der Einprozentmarke, mit der eine Abkehr von dem seit drei Jahren existierenden Mindestkurs verbunden ist.

Für Franken-Fremdwährungskreditnehmer ist die jüngste Entwicklung der Schweizer Inflation eine gute Nachricht. Sie können darauf setzen, dass der Euro in den kommenden Jahren vielleicht doch noch über 1,30 Franken steigt. Sodann müssten sie aber Nägel mit Köpfen machen und in einen Euro-Abstattunsgkredit konvertieren, obgleich ihre Franken-Kredite zumeist erst 2025/30 zurück zu zahlen sind (Abreifungsspitzen).

Sollte die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs in gut drei Jahren aufgeben, könnte der Euro unter 1,20 Franken fallen. Der faire Wechselkurs, also jener, der realwirtschaftlich gerechtfertigt wäre, ist seit Jahren am sinken. Weil die Geldentwertung in der Schweiz noch niedriger ist als im Euroraum, wird der faire Kurs, der nach unterschiedlichen Berechnungsmethoden der Banken aktuell zwischen EUR/CHF 1,20-1,30 liegt, aller Voraussicht nach auf EUR/CHF 1,15 abtauchen.

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