30.10.14

Sagen die Schweizer Ade zu Mindestkurs und Fiatgeld?

"Rettet unser Schweizer Gold". Was auf den ersten Blick wie eine kleinkarierte Volksabstimmung aussieht, kann eine Lawine auslösen. Neben dem Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken steht die Akzeptanz von Fiatgeld auf dem Spiel. Im Wechselkurs EUR/CHF werden all diese Risiken derzeit eingepreist, drum fängt es an zu knistern.

1 Euro ist aktuell 1,2055 Franken wert. Euro-Optionen gegen den Franken haben sich zuletzt deutlich verteuert. Dies deutet darauf hin, dass es nach der Abstimmung am 1. Advent über die Frage, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) künftig mindestens 20 Prozent ihrer Währungsreserven in Gold vorhalten muss, zu erhöhten Kursausschlägen kommen dürfte.

"Wenn das (die Goldinitiative, Anm. d. Red.) durchgeht, wird es einen tiefgreifenden Effekt auf die Fähigkeit der SNB haben die Untergrenze zu halten", zitiert Bloomberg Peter Rosenstreich, Chef-Analyst bei der Schweizer Bank Swissquote. "Schaut man sich die Volatilitätskurve an, sieht man, dass es eingepreist wird. Nicht morgen, aber in zwei oder drei Monaten erwarten die Märkte, dass etwas passiert." erklärt Rosenstreich.

Weiterlesen: Euro-Lethargie löst sich mit Goldinitiative am 1. Advent

Vielen Schweizerinnen und Schweizer dürften die Eingriffe der Nationalbank am Devisenmarkt zur Abschwächung des Frankens ein Dorn im Auge sein. Das Stimmvolk habe in der Regel ein sehr gutes Gefühl dafür, wenn etwas riskant sei, sagen Meinungsforschungsinstitute. Die Anhäufung von Euro-Devisenreserven durch die SNB werde als gefährlich eingestuft, zumal jedem bekannt sei, dass Länder wie Frankreich und Italien seit eh und je Weichwährungen wollen.

Sollten sich die zweit und drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums gegen Deutschland, das einen harten Euro möchte, durchsetzen, würden die von der Schweiz so emsig aufgesaugten Euros einen Wertverfall erleiden. Die sodann bei der SNB anfallenden Verluste müssen vom Schweizer Steuerzahler getragen werden.

Bisher ging man in der Wissenschaft davon aus, dass eine galoppierende Inflation die Akzeptanz von modernem Fiatgeld, das nur aufgrund von Glaubwürdigkeit existiert, erschüttert. In der Schweiz sind die Verbraucherpreise mit jährliche Veränderungen von -0,4 bis 0,3 Prozent jedoch äußerst stabil. Auch die Inflationserwartungen sind fest verankert.

Das Stimmvolk dürfte besorgt darüber sein, dass die Schweizerische Nationalbank mit Rückendeckung der Berner Regierung an etwas im Hintergrund herum doktert, für das man irgendwann eine große Rechnung präsentiert bekommt.

Die Gewinne der Mindestkurs-Politik haben die Schweizer Unternehmen bisher eingestrichen. Für mögliche Verluste muss der Steuerzahler gerade stehen. Diesen Schuldenkommunismus konnte man bereits während der Euro-Krise beobachten, als klamme Staaten wie Spanien ihre Banken retten mussten. Die Banken haben ihre Gewinne vor der Krise privatisiert. Als die Spekulationen der Banken fehlschlugen, jubelte man die Verluste dem Steuerzahler unter.

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