07.12.12

EZB ist stärker als Credit Suisse / Eurokurs sinkt auf 1,2090 CHF

Die Europäische Zentralbank (EZB) sitzt am längeren Hebel. Weil Notenbankchef Mario Draghi über eine „umfassende Zinsdiskussion“ des EZB-Rates berichtet, befindet sich der Eurokurs wieder auf Tauchstation. In der ersten Wochenhälfte beherrschte die Credit Suisse mit der Androhung negativer Zinsen auf Franken-Bar-Bestände noch das Geschehen.

Am Devisenmarkt wird der Kurs des Euros am Freitagmorgen zu 1,2090 CHF gehandelt. Zur Wochenmitte kletterte die Gemeinschaftswährung auf 1,2167 CHF. Gegenüber dem US-Dollar fallen die Verluste des Euros deutlich höher aus. Das Währungspaar sank in den zurückliegenden zwei Tagen um zwei Cents von 1,3125 auf 1,2931 (-1,48 Prozent).


Das hat Draghi äußerst geschickt gemacht. Es hat einige Stunden gedauert, bis die Finanzmärkte gemerkt haben, was er wirklich gesagt hat. Zunächst verlas der Italiener in der geldpolitischen Lagebeurteilung eine Verschlechterung der Wachstumsperspektive. Die volkswirtschaftliche Abteilung der EZB rechnet für 2013 mit einem Wachstum in der Eurozone von -0,9 bis 0,3 Prozent. Die alte Prognose von -0,4 bis +1,4 Prozent ist damit hinfällig.

Auf eine Journalistenfrage über eine mögliche Änderung der Höhe des Leitzinssatzes sagte der Italiener anschließend, dass man im EZB-Rat über das Thema umfassend diskutiert hätte. Nun kann man eins und eins zusammenzählen. Wegen der verschlechterten Wachstumsaussichten und der intensiven Zinsdiskussion dürfte der Leitzins im Januar von 0,75 auf 0,50 Prozent gesenkt werden.

So sehen es jedenfalls die Devisenmärkte. Entscheidend in den kommenden Wochen wird sein, wie die EZB die von ihr geschürten Erwartungen feinabstimmt. Dabei gilt es insbesondere auf Auftritte von EZB-Direktoriumsmitgliedern, wie dem Deutschen Jörg Asmussen und dem Franzosen Benoît Cœuré zu achten. Was die im EZB-Rat sitzenden 17 nationalen Notenbankchefs sagen, ist weniger wichtig.