18.12.12

EZB Bemerkungen verschaffen Eurokurs Spielraum über 1,21 CHF


Der Euro befindet sich am Dienstag im Erholungsmodus. Gegenüber dem Schweizer Franken steigt die Gemeinschaftswährung im Vormittagshandel auf 1,2084. Zum Wochenauftakt fiel das Devisenpaar zwischenzeitlich auf EUR/CHF 1,2067. Hintergrund des Anstiegs dürften Bemerkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) sein. Leitzinssenkungen stehen offenbar doch nicht auf der Tagesordnung.

EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch erteilt weiteren Senkungen des Leitzinssatzes im Euroraum indirekt eine Absage. "Im Moment machen wir Geldpolitik vor allem mit unkonventionellen Mitteln, weil diese angesichts des gestörten Wirkungskanals der konventionellen Geldpolitik derzeit besser wirken. Deshalb verstehe ich die Diskussion über eine Zinssenkung nicht so recht", sagte der Luxemburger der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe).

Es wird unwahrscheinlicher, dass die EZB im Januar den Leitzinssatz von derzeit 0,75 auf 0,50 Prozent verringert. Weil die Inflationsrate zuletzt von 2,5 auf 2,2 Prozent zurückging und nach unten tendiert, hätte der Zentralbankrat grundsätzlich Spielraum. Devisenstrategen sind der Meinung, dass eine Zinssenkung den Eurokurs CHF in den Bereich 1,2010 bis 1,2030 zurückwerfen könnte, weil die Schweizerische Nationalbank kaum noch Handlungsspielraum hat ihre Geldpolitik zu lockern.

In der vergangenen Woche hatte sich bereits der Chefökonomen der Europäischen Zentralbank, Peter Praet, kritisch zu Wort gemeldet. Der Spielraum für weitere Zinssenkungen sei gering, weil das Niveau bereits sehr niedrig sei, erklärte der Belgier im Gespräch mit dem "Wall Street Journal".

Es sieht nach einer gewissen Uneinigkeit im EZB-Rat aus. Die Notenbankchefs der Südeuropäer dürften wegen der rückläufigen Inflation auf eine Leitzinssenkung pochen. Sie wissen zwar, dass eine solche Senkung nicht dazu führt das Wachstum anzukurbeln. Allerdings will man durch niedrigere Leitzinsen die heimischen Bankensektoren entlasten, die seit Jahren am Tropf der EZB hängen.

Im Fall von Spanien dürfte eine Senkung des Leitzinssatzes von 0,75 Prozent auf 0,50 Prozent den Banken rund 900 Millionen Euro an Zinskosten sparen.