10.12.12

Berlusconis Comeback verwirrt die Adventsstimmung des Euros


Der Euro setzt am Montag nach der Rücktrittsankündigung des italienischen Premier Mario Monti seine Talfahrt fort. In Frankfurt und Zürich notiert die Gemeinschaftswährung auf 1,2067 CHF. Gegenüber dem US-Dollar fällt der Kurs des Euros auf 1,2890. An den Rentenmärkten wird es wieder enger für italienische Staatsanleihen, deren Entwicklung auch die Zinsen spanischer Schuldtitel in die Höhe treiben.

Silvio Berlusconi will sich zum vierten Mal in das Amt des italienischen Regierungschefs wählen lassen. Neuwahlen dürften für Ende Februar angesetzt werden. Die Zinsen für italienische Zehnjahrespapiere klettern auf 4,75 Prozent. In der Vorwoche sank die Renditeentwicklung auf ein Zweijahrestief bei 4,43 Prozent. Spaniens Zinsen steigen von 5,25 auf 5,62 Prozent.

Devisenexperten verweisen auf ein alt bekanntes Verhaltensmuster beim Wechselkurs des Euros zum Schweizer Franken. Während die Zinsen in Italien und Spanien steigen, fallen sie in Deutschland. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentieren gegenwärtig bei 1,26 Prozent nach 1,45 Prozent in der Vorwoche.

Die Ausdehnung der Risikoaufschläge ist Gift für den Eurokurs. Der Schweizer Franken als sicherer Hafen profitiert. Ob Berlusconi noch einmal die Kraft hat Italien und den Euroraum an den Rand des Abgrundes zu drängen, wie er es zum Ende des letzten Jahres gemacht hat (damals kletterten Italiens Zinsen auf 7,38 Prozent) bleibt abzuwarten. Meinungsumfragen sehen seine Partei PdL derzeit zwischen 14 und 16 Prozent.

An den Finanzmärkten könnte man die vorgezogenen Neuwahlen Italiens auch begrüßen. Es sollte ohnehin im März gewählt werden. Berlusconi und sein Kollege im populistischen Lager, der Komiker Beppe Grillo, wollen mit einem Anti-Deutschland Kurs auf Stimmenfang gehen.