22.11.12

Merkel pfeift Schäuble beim Schuldenschnitt (noch) zurück

Am Devisenmarkt ist der Eurokurs am steigen. Zum US-Dollar durchbricht die Gemeinschaftswährung einen wichtigen Widerstand bei 1,2830. Am Donnerstagmorgen kostet der Euro 1,2865. Der Kurs des Euros zum Schweizer Franken klettert auf 1,2049. Deutschland steht einem Schuldenschnitt für Griechenland nicht so skeptisch gegenüber, wie man an den Finanzmärkten bisher angenommen hat.

Man könne den Griechen einen Teil ihrer Schulden erlassen, wenn sie sich denn an die Reformauflagen halten. Dies sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble am Montag bei einem Treffen in Paris mit Offiziellen der Eurozone, berichtet das „Wall Street Journal“. Einen Tag später war davon nichts mehr zu hören. Die Gespräche der Euro-Finanzminister über eine Lösung der Probleme Griechenlands scheiterten.

Binsenweisheit

Was steckt hinter Schäubles plötzlichem Sinneswandel? Es kann eigentlich nur seine Chefin Angela Merkel sein, die ihren Minister zurückpfiff. Dass Griechenland nur durch einen zweiten Schuldenschnitt der öffentlichen Gläubiger in der Eurozone gehalten werden kann, ist mittlerweile eine Binsenweisheit.

Es geht um eine Summe von rund 100 Milliarden Euro, die die 16 Euroländer den Griechen quasi schenken soll. Deutschlands Steuerzahler müsste rund 30 Milliarden Euro übernehmen. Das will Merkel offenbar auf keinen Fall vor den deutschen Bundestagswahlen sagen, die im September 2013 stattfinden werden.

Dem Eurokurs ist Merkels Kalkül im Endeffekt schnuppe. Er steigt, weil sich herumgesprochen hat, dass die Kanzlerin zahlen wird, wenn es Spitz auf Knopf steht. Sie kehrt damit zur Europapolitik Helmut Kohls und Franz Josef Strauß’ zurück. Diese handelten auf europäischer Ebene stets nach dem Motto: Wenn wir etwas mit Geld regeln können, dann ist das viel besser als die Mittel, die während des Deutschen Reichs oftmals angewendet wurden.