18.10.12

Berlin bis Lugner City: Alle machen Verluste mit CHF-Krediten

Von biedermännischen Kämmerern aus Nordostdeutschland bis zum österreichischen Milliardär. So groß ist die Opfer-Spannweite der berüchtigten Franken-Kredite. Die Deutschen pochen auf Verbote und wollen klagen. Österreichs Großkopferte wählen die elegante Methode. Still und heimlich vergleichen sie sich mit den Banken.

Shoppingcenter-Betreiber Richard Lugner soll mit einem Cross-Currency-Swap zwischenzeitlich mit 22 Millionen Euro unter Wasser gewesen sein. Mit diesem Instrument wollte Lugner einen bei EUR/CHF 1,60 aufgenommenen Frankenkredit gegen einen Euro-Absturz absichern. Allerdings galt die Absicherung nur bis zu einem Euro Wechselkurs von 1,40 Franken. Als der Eurokurs im Frühjahr 2010 unter 1,40 CHF fiel, erlosch die Absicherung, schreibt der „Kurier“.

Nun hat sich Lugner mit der Bank auf einen Vergleich geeinigt. Über das Geschäft sei striktes Stillschweigen vereinbart worden. Weil weder die Bank noch Lugner etwas sagen, dürfte der Deal für den Milliardär nicht allzu schlecht ausgefallen sein. Man darf darüber spekulieren, dass ihm die Bank einen Eurokurs von 1,30 CHF einräumte, um seine Frankenkredite zu konvertieren. Das wäre die Mitte zwischen dem Absicherungskurs und aktuellem Kursniveau.

Steuerzahler am Wickel

Weniger flexibel sind die Geschäftspartner in der Nähe von Berlin im ehemals preußischen Rheinsberg und Neuruppin. Die dortigen Stadtkämmerer haben sich ebenfalls mit Frankenkrediten verzockt. Rheinsberg habe 360.000 Euro mit einem Franken-Swap verloren. Im Falle von Neuruppin belief sich der Verlust auf 2,1 Millionen Euro, berichtet die „Märkische Allgemeine“.

„Es wird sich noch ein Gericht mit der Thematik befassen“, poltert der Rheinsberger Kämmerer Andreas Neubert. Eine Klage hat zwar kaum Aussicht auf Erfolg, warnen Juristen. Man will aber dennoch klagen und dem kommunalen Steuerzahler zusätzliche Gerichtskosten aufbürden.

Rheinsbergs Franken-Swap läuft im Dezember aus. Wenn der Eurokurs bis dahin nicht kräftig steigen sollte, muss die Stadt den Verlust realisieren. Aussitzen ist nicht länger möglich. Die aktuellen Schweizer Franken Prognosen der Banken bis zum Jahresende liegen bei durchschnittlich 1,2045 pro Euro. Im nächsten Jahr traut man der Gemeinschaftswährung einen Anstieg auf 1,2310 zu.