13.10.12

Franken steigt durch laissez-faire IWF auf 1,2056 pro Euro

Am Devisenmarkt wertet der Schweizer Franken wieder auf. Der Euro notiert unter der Marke vom 1,21 CHF und ist so schwach wie zuletzt vor drei Wochen. Hintergrund ist das konsequente Schlechtreden der Konjunktur seitens des Internationalen Währungsfonds (IWF). Nach pompösen Auftritten von IWF-Chefin Lagarde knicken die Aktienkurse ein. Dadurch sinkt die Risikobereitschaft, was wiederum eine Aufwertung des Schweizer Frankens nach sich zieht.

Der Euro fiel zur Wochenmitte auf ein Fünfwochentief bei 1,2056 CHF. Dazu trugen laut Währungsexperten neben der Schwarzmalerei des IWF die Abstufung von Spaniens Kreditwürdigkeit bei. Standard & Poor’s verringerte die spanische Bonität um zwei Stufen von BBB+ auf BBB-. Der Ausblick bleibt negativ, wodurch als nächstes die Herabstufung auf das Ramschanleihen-Niveau droht. Bis zum Freitag konnte sich der Eurokurs ein wenig erholen und kletterte auf 1,2085 CHF.

Laissez-faire

Von „Schuldenständen wie in Kriegszeiten“, einer Kreditklemme und einer von der Eurozone ausgehenden großen Gefahr für die globale Finanzstabilität sprach IWF-Chefin Christine Lagarde auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Tokio. Griechenland solle man zwei Jahre mehr Zeit geben, die Bankenunion müsse rasch umgesetzt werden und EZB-Hilfen für klamme Euroländer wenig konditioniert sein, sagte Lagarde.

Lagarde spreche in ihrer Funktion als frühere französische Finanzministerin, meinen Kritiker. Mit dem neuen „laissez-faire“ Stil verprelle sie viele Schwellenländer, die unter Aufsicht des IWF harsche Reformen durchgeführt haben, um heute wettbewerbsfähig zu sein. Die Französin kritisiert inzwischen Länder mit Handelsbilanzüberschüssen wie Deutschland, die Schweiz und Schweden stärker als Spanien, das sich ein unbezahlbares Sozialstaats-Modell auf Pump leistet.

Paradigmenwechsel

Die fleißigen Exportnationen trügen zu der Bildung von globalen Ungleichgewichten bei. Bundesbankchef Jens Weidmann stellte daraufhin fest, dass sich Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss seit 2007 halbiert hat. Die Franzosen haben offenbar eine Abmachung mit den Amerikaner getroffen, ohne die beim Weltwährungsfonds gar nichts geht. Lagarde gibt exportstarken Ländern die Schuld an der Krise, was im Interesse der USA ist. Im Gegenzug darf sie hilfebedürftigen Ländern gegen milde Bedingungen Geld geben.

Lagarde wird zusammen mit ihrem Landsmann Olivier Blanchard, dem IWF-Chefvolkswirt, wahrscheinlich etwas schaffen, was zuvor noch nie passiert ist. Der Weltwährungsfonds wird in Griechenland mit großer Wahrscheinlichkeit zum ersten Mal in seiner Geschichte Geld verlieren. Als „Dumme“ können sich wiederum die Schwellenländer fühlen, die gerade dabei sind den IWF mit neuen Mitteln auszustatten. Auch Deutschland dürfte sich veralbert vorkommen, weil es die Hauptlast der Euro-Rettung trägt und als größtes europäischer IWF-Anteilseigner ansehen muss, wie Lagarde das Geld zum Fenster raus schmeißt.

Nazi-Karneval

Unterstützt werden die Deutschen von den Briten. Großbritanniens Finanzminister George Osborne sagte in Tokio, dass sich zu viele westliche Länder den Herausforderungen nicht stellten. In der britischen Öffentlichkeit gab es bereits einen großen Streit darüber, dem IWF neue Mittel zu überweisen. Die Briten möchte unter keinen Umständen in die die südeuropäische Misere hineingezogen werden, weil sie sich nahezu sicher sind, dass sie ausgeliehenes Geld niemals zurückbekommen werden würden.

Als es vor zwei Jahren darum ging Irland zu helfen, beteiligte sich die britische Regierung mit bilateralen Krediten. Irland ist bei der Bewältigung des Reformprogramms am erfolgreichsten und benötigt keine "Lagardsche Fristverlängerung". Während in Südeuropa Menschen mit Nazi-Symbolen gesponsert vom IWF Karneval feiern, kehren die Iren auf den Wachstumspfad zurück.