01.09.12

Pikante Details: Austrias CHF-Fremdwährungskredit Schlamassel

Österreichs Banken haben ein Problem. Es beläuft sich auf vier Milliarden Euro und ist der zügellosen Fremdwährungskreditvergabe geschuldet. Die Finanzierungslücke kommt zustande wegen der massiven Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro, schreibt der Internationale Währungsfonds in seinem aktuellen Länderbericht. „Der hohe Anteil von CHF-Krediten ist eine Schwachstelle Österreichs“, stellt der IWF fest.

CHF-Kredite wurden zumeist mit Tilgung zum Laufzeitende ausgereicht. Gleichzeitig verkauften die Banken Häuslebauern und Kreditnehmern eine Lebensversicherung als Tilgungsträger, um die Rückzahlung des Fremdwährungskredites sicherzustellen. Lebensversicherung und Baudarlehen sind für Finanzmakler besonders provisionsstarke Produkte.

Die Provisionsgier der Bankberater spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Viele Banken erzählten der Kundschaft, dass laufende Tilgungen von Euro nach CHF-Währung wegen der hohen Wechselkursspesen zu teuer seien. Die Stichhaltigkeit dieser Argumentation ist höchst fragwürdig. Wenn man US-Aktien an der New Yorker Börse über einen Broker in Dollar kauft, dann ist das doch auch kein Problem.

Ein Schelm, wer dabei böses denkt. Bei einer laufenden Tilgung könnte die Bank ja nur eine Povision einstreichen, nämlich die für den Kredit. Die provisionsstarke Lebensversicherung würde wegfallen. Provisionsgeschäfte, auch wenn sie vielen Fremdwährungskreditnehmern äußerst ärgerlich vorkommen, sind aber nicht der Kern des Problems.

Banken haben Bringschuld

Verheerend ist, dass die Banken ihren Kunden den Weg zu laufenden Tilgungszahlungen versperrten. Ein fester monatlicher Tilgungsbetrag von beispielsweise 1.000 Euro in Form eines Annuitätendarlehens hätte zur Folge gehabt, dass Häuslebauer bei einem hohen Eurokurs von 1,68 CHF, wie im Oktober 2007, recht viel ihrer Frankenschuld getilgt hätten.

Als der Eurokurs im August 2011 auf 1,00 CHF fiel, hätte man weniger getilgt. Dadurch käme es zu einem Durchschnittseffekt, wie man es vom Fonds- oder Aktiensparen kennt. CHF-Kreditnehmer stünden heute weitaus besser. Diesen Vorteil haben die Banken der Kundschaft verwehrt. Als Wiedergutmachung müssten die Geldhäuser eigentlich bei Konvertierungen in Euro Kredite Zugeständnisse machen.

Dabei sollten die Banken nicht nur auf Spesen und Gebühren verzichten, sondern auch auf einen Teil ihrer Zinsmarge, die sie an einem fixverzinsten Euro-Kredit verdienen. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint das Angebot der Ersten Bank mit 2,9 Prozent Fixzinsgarantie auf 10 Jahre zu hoch. Das Geldhaus hätte wohl Platz um 0,5 Prozent nach unten zu gehen, und würde immer noch Gewinn machen. Darüber hinaus profitiert die Bank von Konvertierungen, weil sie CHF-Kredite aus ihren Büchern bekommt und weniger Eigenkapital vorhalten muss.

Vielleicht lohnt sich für einige österreichische Kreditnehmer auch ein Blick nach Deutschland, wo 10-jrähigen Immobiliendarlehen ab 2,3 Prozent zu haben sind. Allerdings ist in vielen Fällen die Konstruktion mit CHF-Darlehen und einer Lebensversicherung als Tilgungsträger so verschachtelt und die Kündigung beider Verträgen mit so hohen Kosten verbunden, dass sich der Ganze Aufwand nicht lohnt.