27.08.12

Jordan (SNB): „Der Mindestkurs ist nicht für die Ewigkeit“

Es könnte der erste Hinweis auf ein Ende des Mindestkurses sein. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, stellt die Dauerhaftigkeit der Wechselkursuntergrenze des Euro gegenüber dem Schweizer Franken in Frage. Bereitet sich Jordan auf den Rückzug vor, damit die von ihm geleitete Nationalbank nicht länger das Gängelband der Eurozone ist?

„Der Mindestkurs ist eine Extremmaßnahme für eine Extremsituation. Der Mindestkurs ist nicht für die Ewigkeit. Aber zurzeit stellt sich diese Frage einfach nicht. Es ist die richtige Geldpolitik auf diese Herausforderungen, denen wir im Moment gegenüberstehen“, antwortet Jordan auf eine Frage des Schweizer Fernsehens, ob man überhaupt ein Ausstiegsszenario habe.

Währungsanalysten werden die Worte „nicht für die Ewigkeit“ und „zurzeit“ auf die Goldwage legen. Jordan ist auf dem Weg vom „Mindestkurs-Falken“ zur „Untergrenzen-Taube“ zu mutieren. Nicht mehr viel ist von den Klagen und Beteuerungen der SNB zu hören, nämlich dass der Franken doch auch bei 1,20 pro Euro hoffnungslos überbewertet sei.

Die Schuldenkrise geht nicht so schnell vorbei, wie es die Nationalbank vor knapp einem Jahr bei der Einführung des Mindestkurses einkalkuliert hat. Auch wenn die Stimmung an den Finanzmärkten derzeit recht gut ist und der deutsche Aktienindex erneut über die Marke von 7.000 Punkten klettert, kommt von der steigenden Risikobereitschaft nichts beim Eurokurs CHF an.

Die Nationalbank musste in der Vorwoche so stark intervenieren, um den Mindestkurs zu verteidigen, wie seit drei Wochen nicht mehr. Dadurch steigen die Giroguthaben der inländischen Banken bei der Nationalbank, was wiederum dazu führt, dass die Devisenreserven dabei sind Richtung 500 Milliarden Franken zu klettern.