28.08.12

Ist die Schweizerische Nationalbank Schmachmatt gesetzt?

Vor einem Jahr fiel der Euro gegenüber dem Schweizer Franken auf die Parität. Am 9. August 2011 blinkten auf den Devisenhandelsplattformen Wechselkurse von EUR/CHF 1,0075 auf. Einen Monat später führte die Nationalbank den Euro Mindestkurs bei 1,20 CHF ein. Trotz eidgenössischer Feuerkraft und massiven Deviseninterventionen sind am Jahrestag der Untergrenze keine Aufwertungs-Zuckungen des Euros erkennbar.

Ob die SNB damals nicht ein wenig zu optimistisch gewesen sei, fragt das Schweizer Fernsehen Notenbankchef Thomas Jordan. Man dachte wohl bei der Einführung des Mindestkurses, dass sich die Situation allmählich beruhige und der Eurokurs wieder steigen würde. Ein baldiges Ende der Kopplung an den Euro schien machbar. Nun, in diesem Herbst, sehe die Situation doch deutlich düstere aus, hinterfragt der Moderator der Schweizer Wirtschaftsmagazin Eco, Oscar Alessio.

„Wir sind in einer sehr schwierigen Situation, was Europa angeht. Es gibt immer wieder Zweifel, ob es gelingt auch in der kurzen Frist das Krisenmanagement zu egalisieren. Es gibt ein Hin und Her auch an den Märkten. Aber es macht keinen Sinn in einer Phase, wo diese Anspannungen größer geworden sind, einfach die Geldpolitik zu ändern“, antwortet Jordan, ohne dabei einen Vergleich zwischen der Lage im Herbst 2011 und 2012 anzustellen, wie es sich Alessio eigentlich gewünscht hätte.

Für österreichische CHF Fremdwährungskreditnehmer werden Jordans vage Aussagen wohl weder zu einer Beruhigung noch zu einer Beunruhigung führen. Auf Sicht von drei Monaten dürfte der Mindestkurs, koste es was es wolle, durch die SNB verteidigt werden, weil Jordan eine Änderung der Geldpolitik zum jetzigen Zeitpunkt ablehnt.

Auslöser

Im Dezember 2012 könnte die Lage allerdings anders aussehen. Sollte der Eurokurs sodann immer noch am Mindestkurs haften und kein Aufwärtspotential erkennen lassen, könnte die SNB ihren allmählichen Rückzug signalisieren. Über den möglichen Auslöser streitet sich die Fachwelt. Die Analysten des einen Lager sagen, dass die Nationalbank aufgeben wird müssen, weil die Devisenreserven bis dahin über 100 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsproduktes gestiegen sein werden.

Das andere Lager, zu dem der Chef für Devisenstrategie von Morgan Stanley, der Deutsche Hans-Günter Redeker gehört, meint, dass man an der Entwicklung der Teuerung das Mindestkurs Ende wird ablesen können. Sobald die Inflationsrate deutlich über ein Prozent steigt, wie zuletzt im April und Mai des Jahres 2010, werde sich die SNB von ihrer Untergrenze verabschieden, prognostiziert Redeker im Gespräch mit Bloomberg.

Die Jahresteuerung der Schweiz kletterte zwischen Juni 2012 und Juli 2012 von -1,1 auf -0,7 Prozent. Wenn es in dieser Geschwindigkeit weiter geht, dann würde nach Redekers Regel ein Ende des Mindestkurses im ersten Quartal 2013 auf der Tagesordnung stehen. Ein steiler Inflationsanstieg wäre nichts Ungewöhnliches. Zwischen Juli 2009 und März 2010 erhöhte sich die Schweizer Inflationsrate von -1,2 auf 1,4 Prozent.