05.07.12

Drogeriefilialist Müller verzockt sich mit CHF-Fremdwährungskredit

Nicht nur private Kreditnehmer aus Österreich und Ungarn, denen Banken einen CHF-Fremdwährungskredit aufschwatzten, haben ein Problem mit dem starken Schweizer Franken. Auch der deutsche Drogeriefilialist Müller verzockte sich. Er muss nun mehr Euros in Franken konvertierten, als dies ursprünglich geplant war.

„Die Stärke des Schweizer Franken wird auch für deutsche Unternehmen zum Problem. Dem Drogeriefilialisten Müller, der diverse Kredite in Franken laufen hat, drohen die Währungsturbulenzen die Bilanz zu verhageln“, schreibt die „Lebensmittel Zeitung“ (Ausgabe 34/2011).

Auch Banken verzocken sich

Aus der Sicht der Geldhäuser hat sich die Kreditwürdigkeit von Kunden mit einem Franken-Fremdwährungskredit durch die massive Aufwertung der eidgenössischen Währung verschlechtert. Solche Verbraucher dürften es nun unter Umständen schwieriger haben, an zinsgünstige Darlehen für eine Anschlussfinanzierung zu kommen.

Wer sich beispielsweise 150.000 Franken im Oktober 2007 bei einem Eurokurs von 1,68 CHF von seiner Bank lieh, dem räumte man ursprünglich ein Kreditlimit von knapp 90.000 Euro ein. Beim aktuellen Wechselkurs von 1,20 beläuft sich das Kreditlimit auf 125.000 Euro. Berücksichtigt man, dass der Kreditnehmer inzwischen rund 15.000 Euro getilgt hat, dann liegt man bei 110.000 Euro.

Weil die Bank jedoch ursprünglich nur einen Betrag von 90.000 Euro zugestand, hat sich ihr Ausfallrisiko erhöht. Dies dürfte ein Grund sein, warum viele Bankberater ihre Kreditnehmer dazu drängen, so viel und so rasch wie möglich zu konvertieren.

Sammelklagen

„Wer Frankenkredite aufnahm, vernachlässigte wie sehr viele andere das Kursrisiko“, sagte der Professor Reiner Eichenberger von der Universität Freiburg gegenüber dem wirtschaftsblatt.at. Die Bemerkung „wie sehr viele andere“ suggeriert, dass neben dem Kreditnehmer auch der Kreditgeber das Kursrisiko vernachlässigte.

Dies könnte bei juristischen Streitigkeiten eine entscheidende Rolle spielen. So könnten sich Kreditnehmer darauf berufen, dass sie durch ihre Bank nicht ausreichend über die Risiken eines Fremdwährungskredites aufgeklärt wurden. Ganz besonders eng dürft es für Geldhäuser vor Gericht werden, wenn die interne Kreditwürdigkeitsprüfung ergab, dass der ursprüngliche Kreditbetrag (vor der Franken-Aufwertung) die Schuldentragfähigkeit des Kreditnehmers bereits ausschöpfte.

Selbstverständlich wird jede Bank in einem solchen Zivilprozess immer im Nachhinein versuchen, die Kreditwürdigkeit des Schuldners „aufzuhübschen“. Hätte in den USA eine ähnliche Fremdwährungskreditpraxis stattgefunden, dann würden bereits Anwälte und Paralegals das gesamte Land nach bonitätsschwachen Darlehensnehmern durchkämmen und Sammelklagen gegen Banken vorbereiten, die diese zum Zittern brächten.

Prozess gegen Banken wegen Franken-Kredite in Kroatien gestartet (Basler Zeitung)