23.05.12

Eurokurs sinkt auf 1,2003 CHF, Grexit kostet bis zu 1 Billion Euro

Am Devisenmarkt sinkt der Eurokurs auf 1,2003 CHF. Die europäische Gemeinschaftswährung notiert gegenüber dem Schweizer Franken so niedrig wie zuletzt am Gründonnerstag. Der eidgenössische Franken als sicherer Hafen ist gefragt, nachdem der ehemalige griechische Ministerpräsident, Lucas Papademos, über einen möglichen Austritt seines Landes (Grexit) aus der Eurozone spricht.

„Das Risiko, dass Griechenland den Euro verlässt, besteht“, sagte Papademos in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“. Entscheidend sei, ob das Land die von der Europäischen Unionen, dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank (Troika) diktierten Sparprogramme kontinuierlich umsetze. Papademos schätzt die Gesamtkosten für einen Grexit auf 500 Milliarden bis eine Billion Euro.

Papademos genießt in der griechischen Bevölkerung hohes Ansehen, obwohl er als technokratischer Regierungschef zwischen Dezember 2011 und Mai 2012 die von der Troika geforderten Reformschritte umsetzte. Der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Zentralbank hat als hellenische Ministerpräsident auf sein Gehalt verzichtet, wollte dies jedoch geheim halten, um den Eindruck zu zerstreuen, sich beliebt machen zu wollen.

Welches Wachstum?

Derweil fällt der Euro gegenüber dem Dollar auf ein Jahrestief. Das Devisenpaar sinkt auf EUR/USD 1,2615 und steht damit tiefer als am 13. Januar 2011, als es bei 1,2625 notierte. Der politische Zwist zwischen Deutschland und Frankreich beschleunigt die Talfahrt der europäischen Einheitswährung.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande will Eurobonds in Verbindung mit Konjunkturprogrammen auf Pump, um seine Wahlversprechen auch durch nicht-französische Steuerzahler finanzieren zu lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt Strukturreformen an, welche aus ihrer Sicht das beste Wachstumsprogramm seien.

Der französische Arbeitsmarkt ist deutlicher verkrusteter und verriegelter als der der deutsche. Gleichzeitig liegt das Renteneintrittsalter in Frankreich bei 60 Jahren, während man in Deutschland eine Anhebung auf 67 Jahren beschlossen hat. Der Anteil des industriellen Sektors am französischen Bruttoinlandsprodukt ist in etwa halb so hoch wie in Deutschland.