18.04.16

Euro ist für Schweizer Anleger Teufelszeug: Zu Recht?

Es existiert einen Nexus zwischen steigenden Aktienmärkten und einem stabilen Euro-Franken-Kurs. Sind Börsianer gut gelaunt, ist keine Angst im Markt. Dies führt dann wiederum dazu, dass niemand den Schweizer Franken so recht braucht. Die Nachfrage nach dem Franken ist allerdings nicht so schwach, wie man vermuten könnte. Für Schweizer Anleger ist die Eurozone ein rotes Tuch.

Im Windschatten höherer Notierungen von Dax, Dow und Co. hat sich der Euro in den letzten Wochen von 1,0840 auf 1,0920 Franken hoch gearbeitet. Auf den ersten Blick ist das nachvollziehbar. Die Volatilitätsbarometer (VIX, VDAX) sind am sinken, was für Börsianer ein klares Indiz dafür ist, dass wenig Angst im Markt ist. Die Kosten sich mit Optionen vor fallenden Kurse abzusichern, sind nur halb so hoch wie während des Börsenbebens im Februar.

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Der Eindruck, der Franken schwächt sich ab, täuscht allerdings. Es gibt einen Haken: "Die leichte Schwächung des Frankens dürfte dabei nicht nur dem völlig freien Spiel der Marktkräfte zuzuschreiben gewesen sein. Darauf deutet jedenfalls die Statistik über die Entwicklung der durchschnittlichen Franken-Sichtguthaben bei der SNB hin", analysiert die Neue Zürcher Zeitung (NZZ).

Die Sichtguthaben bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erhöhten sich in den letzten zwei Wochen um 5,4 Milliarden auf 483,8 Milliarden Franken. Demzufolge hat die SNB gut fünf Milliarden Franken ausgegeben, um den Euro zu stützen. Dies zeigt wiederum, dass nicht so wenig Angst im Markt ist, wie es VDAX und VIX vermuten lassen.

Ängstlich sind die Schweizerinnen und Schweizer. Denn es seien weniger Ausländer, die mit ihrem Geld in den Schweizer Franken flüchteten. Dem Franken mehr Auftrieb verleihe die Zurückhaltung von Inländern, schreibt die NZZ. Das Problem ließe sich mit den von SNB-Präsident Thomas Jordan geforderten Strukturreformen beheben. Doch an dieses heiße Eisen trauen sich die Eurorianer seit Jahren nicht heran.