17.04.16

Euroianer machen die Euros weich wie Schweizer Käse

Kein Wunder, dass der Euro bei 1,09 Franken ein Schattendasein fristet. Zwischen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Europäischen Zentralbank (EZB) klafft eine riesige Ideologie-Lücke. Weichwährungs-Sozialisten treffen auf Hartwährungs-Verfechter. Nun kommen die ersten warnenden Stimmen gerade aus dem Land, wo das Billiggeld-Spektakel begann.

Hätte man vor Jahren, als nach der Finanzkrise die Diskussionen begannen, Strukturreformen angestoßen, würden diese jetzt wirken. Weil derzeit keine Krise herrsche, drohten Reformen verschleppt zu werden, erklärte SNB-Chef Thomas Jordan gemäß der "Neuen Zürcher Zeitung" auf der Frühjahrstagung von Weltbank und Währungsfonds in Washington.

Strukturreformen sind für die Obersten der EZB geradezu Teufelszeug. Deregulierungen der Arbeitsmärkte und mehr Jobs im Dienstleistungssektor sei der anvisierten Steigerung der Inflation abträglich, schreibt EZB-Vizepräsident Vitor Constancio. Eine höhere Produktivität der Unternehmen würde zu Arbeitsplatzverlusten führen.

Da prallen Welten aufeinander: Bei einem Volkswirtschafts-Seminar würden zwischen dem Sozialist Constancio und dem Hardliner Jordan wahrscheinlich die Fetzen fliegen. Der Zwist wird über den Wechselkurs ausgetragen. Jordan hat die Nase vorn. Er konnte die Schweizer Wirtschaft trotz Hartwährung auf den Wachstumspfad zurückbringen. 2017 dürfte die Schweiz ein stärkeres Wachstum haben als die Eurozone.

Derweil zerpflückte der frühere Chef der US-Notenbank (Fed), Alan Greenspan, die von der EZB und anderen Notenbanken betriebene Negativzins-Politik. Sie sei unter dem Strich nicht positiv, sagte Greenspan im Gespräch mit CNBC und widersprach damit offen IWF-Chefin Lagarde. Die Französin hatte zuvor behauptet, dass die Strafzinsen im Euroraum der Konjunktur zugute kämen.

Fazit:
Solange die Constancios und Lagardes an den Schaltstellen der Macht sitzen, ist der Euro auf verlorenem Posten. Er hat gegen das von der Schweiz verfolgte Hartwährungskonzept keine Chance. SNB-Chef Jordan schwimmt gegen den Strom, obschon er in den sauren Apfel biss und negative Zinsen wegen des EZB-Drucks einführen musste. Mexikos Notenbank geht einen ähnlichen Weg.

Der große Rest bildet ein Sammelsurium aus Notenbankern, IWF-Experten und südeuropäischen Sozialisten. Sie umarmen die Gelddruckmaschine und erzählen, Deutschland könne die Weltkonjunktur retten, wenn es seine Sozialausgaben steigere und unproduktiver werde.