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09.02.16

Euro wieder unter 1,10 Franken: EZB mit Latein am Ende

Plötzlich ist der Schweizer Franken wieder gefragt. Im Gegenzug steigt der auf dem Euro lastende Verkaufsdruck. Der EUR/CHF-Wechselkurs sinkt in vier Handelstagen von 1,1198 auf 1,0960 (-2,13%). Die Weltbörsen und der Euro-Franken-Kurs müssen einen Boden erst noch finden. Momentan ist nichts und niemand in Sicht, der den bewölkten Konjunkturhimmel auflockern könnte. Die EZB würde zwar gerne, sie hat ihr Pulver allerdings längst verschossen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Meister gefunden. Sie verfälscht seit Jahren so ziemlich alles zu ihren Gunsten, was sie finden kann. Wechselkurse, Zinsen und auch Aktienkurse werden mithilfe der Notenpresse passend gemacht. Nun ist die EZB aber mit ihrem Latein am Ende. Wahrscheinlich würde Mario Draghi auch gerne die chinesische Währung Yuan nach seinem Gusto lenken. Doch das geht freilich nicht.

"Die jüngsten Entwicklungen in China (...) sind von besonderer Sorge", sagte zuletzt der Chef der Österreichischen Nationalbank, EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny. Wegen der konjunkturellen Abkühlung in China schwächt sich der Yuan ab. Infolge werden Waren "Made in China" in Europa günstiger und die weltweite Rohstoffnachfrage kommt ins Stottern. Beides führt dazu, dass die Inflation im Euroraum fällt und fällt.

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Die Antwort der EZB besteht darin, die Geldpolitik zu lockern. "Wenn du genug Geld druckst, wirst du immer Inflation bekommen. Immer", so EZB-Chefvolkswirt Peter Praet. Der Belgier gilt als glühender Anhänger der von Mario Draghi betriebenen Billiggeld-Politik. Beide sind der Meinung, dass sie die Glaubwürdigkeit der EZB durch den Ankauf von Staatsanleihen auch von Ländern mit sehr schwacher Bonität (z. B. Portugal) erhöhen.

Viele nehmen das der Notenbank allerdings nicht ab. Warum kauft die EZB Staatsanleihen nahe am Ramschniveau? Ihr gehe es darum schwachen Euroländern zu helfen, in dem sie das in der Euro-Verträgen stehende Verbot einer Staatsfinanzierung über die Notenpresse Stück für Stück aushebele. Die Inflation sei nur ein Vorwand.

Der EZB-Ansatz, mit dem Ankauf von Anleihen nahe am Ramschniveau das offizielle Inflationsziel von 2% zu erreichen, was dann wiederum die Glaubwürdigkeit erhöhen soll, ist abenteuerlich. Denn die Notenbank schlüpft damit von der ihr in den Euro-Verträgen zugeschriebenen Rolle eines Bereitstellers von Liquidität in die Rolle eines Geldverleihers letzter Instanz. Alle Zentralbanken, die dieses Experiment bisher versuchten, scheiterten.

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