23.10.15

3 Sofortmaßnahmen gegen einsickerndes EZB-Billiggeld

Der Euro-Franken-Kurs befindet sich an einer entscheidenden Weggabelung. Die nächste Billiggeld-Schwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) macht einen Anstieg des Wechselkurses über 1,10 unwahrscheinlich. Stattdessen geht es bergab. Die Schweiz wird der Aufwertung des Frankens nicht tatenlos zusehen. Sie hat drei Instrumente, um der EZB-Geldwand die Stirn zu bieten.

Hat der Euro am 11. September 2015, als er auf 1,1050 Franken stieg, bereits das Maximale heraus geholt? Es sieht ganz so aus. Aktuell werden für die Gemeinschaftswährung lediglich 1,0755 Franken bezahlt. Die Abschwächung des Euros um knapp 3% kommt nicht von ungefähr. Die Europäische Zentralbank beabsichtigt noch mehr Billiggeld in die Wirtschaft zu pumpen.

Ginge es nach einigen EZB-Mitgliedern, hätte man bereits auf der jüngsten Sitzung gehandelt, verriet Draghi. Bei diesen Mitgliedern des Zentralbankrates dürfte es sich um die nationalen Notenbankchefs aus den südeuropäischen Euroländern handeln. Von Portugal bis Zypern ist man der Meinung, dass das im Frühjahr beschlossene 1,14 Billionen schwere Wertpapierkaufprogramm erst der Anfang ist.

Draghi stellt es so dar, als habe er diese EZB-Mitglieder eingefangen. Es könnte sich um einen geschickten Schachzug des Italieners handeln. Der EZB-Chef kann den Kritikern im Norden der Eurozone sagen: "Seht her, ich habe Schlimmeres vorerst verhindert." Im Dezember dürfte Draghi dann seinen angeblichen Widerstand gegen weitere Lockerungen aufgeben.

Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass Draghi und die südeuropäischen Notenbankchefs die Bilanzsumme der EZB immer stärker ausweiten wollen. Die bisher anvisierte Erhöhung der Bilanzsumme auf 3 Billionen Euro bis Herbst 2016 ist Schnee von gestern. Für den Euro-Franken-Kurs und die Schweizerische Nationalbank (SNB) ergeben sich folgende Konsequenzen:

  1. Für jeden von der EZB gedruckten Euro, der die 3-Billionen-Marke übersteigt, muss die SNB einen Franken drucken. Tut sie das nicht, könnte der Eurokurs auf 1,05 Franken, vielleicht sogar 1,00 Franken absacken.
  2. Die SNB könnte versuchen über die Negativzins-Schiene das Einsickern des EZB-Billiggeldes in die Schweiz zu verhindern.
  3. Die Schweizer Währungshüter könnte einen Vorschlag des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgreifen, ein eigenes Kaufprogramm zu starten. Weil die Schweizer Markt für Staatsanleihen zu klein ist, würde die SNB Staatsanleihen aus dem Euroraum, den USA, Japan, Großbritannien und anderen Ländern kaufen. Die SNB-Bilanzsumme hielte mit dem Anstieg der EZB schritt. Eine Aufwertung des Schweizer Frankens bliebe aus.

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