8.1.14

USA machen Deutschland zum Sündenbock für Industriefiasko

Der Kurs des Euros macht im neuen Jahr gegenüber dem Schweizer Franken weiteren Boden gut. Am Währungsmarkt notiert die Gemeinschaftswährung aktuell bei 1,2395 Franken. Das ist der höchste Stand seit vier Monaten. Amerika meckert derweil wieder über die deutschen Exportüberschüsse, die ein tragender Pfeiler des wiedererstarkten Euros sind.

Deutschlands Exportüberschuss kletterte saisonbereinigt von 16,7 Milliarden Euro im November 2012 auf 17,8 Milliarden Euro im November 2013, wie das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden mitteilte. Besonders imposant ist, dass der Wert der Exporte bereits im November 2013 die Eine-Billionen-Euro-Marke geknackt hat.

Weil die USA Deutschlands Exportüberschüsse als Bedrohung für die Weltwirtschaft ansehen, stattet US-Finanzminister Jack Lew seinem deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble heute einen Besuch ab. Obamas Demokraten fordern Deutschland seit Jahren dazu auf, mehr für den Konsum zu tun, damit die Überschüsse zurückgehen. In Berlin sträubt man sich dagegen.

Für die USA sei es eben leichter von anderen Ländern zu verlangen sich zu ändern, anstatt ihr konsumlastiges Wirtschaftsmodell zu korrigieren, sagen Kritiker. Den Konsum befeuere man, wie vor der Finanzkrise, über ständig steigende Immobilienpreise, die es Hausbesitzern erlaube, frische Kredite aufzunehmen. Und wenn der US-Häusermarkt schwächeln sollte, stehe sofort die Fed parat.

(Weiterlesen: Für den Euro CHF wird die Fed zum Problembär)

Mit dem Schiefergas-Boom und den niedrigen Energiepreisen will Washington nun den Industrieanteil an der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung wieder erhöhen. Das dauert jedoch Jahre. Ferner ist es fraglich, ob die Amerikaner wegen eines Mangels an sehr gut ausgebildeten Facharbeitern in puncto Qualität jemals an Länder wie Deutschland oder die Schweiz herankommen werden.

Darüber hinaus macht es der US-Industriesektor neuen Unternehmen extrem schwer den Markteintritt zu bewältigen. Wenn man im Verabeitenden Gewerbe eine Firma gründen wolle, müsse man mehr Rechtsanwälte als Ingenieure anstellen, sagen Kritiker, unteren ihnen der US-Nobelpreisträger Edmund Phelps. Die Juristen müssten einem davor beschützen, dass die etablierten Wettbewerber die gerade neu gegründete Firma nicht aus dem Markt klagten.

Meistgelesen