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26.06.13

Draghi will weichen Euro wie ihn Nobelpreisträger fordert

Die Europäische Zentralbank (EZB) redet den Euro schwach. Ein Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik liege in weiter Ferne, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Dienstag in Berlin. Daraufhin orientierte sich der Kurs des Euros gegenüber dem Schweizer Franken nach unten. Das Devisenpaar notiert aktuell bei EUR/CHF 1,2255.

Weil die Inflation niedrig und die Arbeitslosigkeit hoch ist, komme ein Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes auf absehbare Zeit nicht in Frage, erklärte Draghi. Im Euroraum sei die Preisstabilität gewährleistet. Die wirtschaftlichen Aussichten erforderten eine sehr lockere Geldpolitik.

Es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass sich gestern der EZB-Direktor Benoit Coeure ähnlich äußerte: "Es sollte keine Zweifel geben, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik weit entfernt ist", sagte der Franzose in London. Falls nötig, könne die EZB auch zusätzliche Maßnahmen ergreifen.

Das sechsköpfige Direktorium der EZB nutzt die Gunst der Stunde, nachdem die Fed in der letzten Woche ihren Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik ankündigte. Ein schwacher Euro Wechselkurs würde wie Wunder wirken, um Europas Volkswirtschaften neu zu beleben, meint der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell.

Weil die EZB den Wechselkurs des Euros zum US-Dollar nicht nach Schweizer Vorbild steuern kann, muss sie es über die Geldpolitik tun. Draghi und Coeure wollen den Finanzmärkten deswegen ganz offenbar eintrichtern, dass die von der EZB geschaffene Euro-Schwemme noch sehr viel länger andauern wird als die Dollar-Schwemme der Fed.

Ein Nebeneffekt dieser Bestrebung ist augenscheinlich die erneute Abwertung des Euros zum Franken. Die Gemeinschaftswährung sank seit dem 22. Mai von 1,2650 auf 1,2255 Franken (-3,13%). Das Euro-Dollar-Verhältnis brach seit dem letzten Mittwoch von EUR/USD 1,3415 auf 1,3038 (-2,81%) ein.