14.09.21

Wie geht es mit dem Schweizer Franken weiter?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Franken im September 2021 als "hoch bewertet" eingestuft. Sie bekräftigte damit ihre Bereitschaft dem Euro am Devisenmarkt zur Seite zu springen. Das wird sie auch müssen. 2022 wird der Euro-Franken-Kurs laut den Banken J. Safra Sarasin und Raiffeisen Schweiz auf 1,06 fallen. Österreichs Erste Group hält mit einer Wechsekursprognose von 1,14 dagegen.

Der Euro hat sich seit Jahresbeginn gegenüber dem Schweizer Franken stabil gehalten. Insgesamt geht das aktuelle Kursniveau von 1,0850 in Ordnung. Zwar kletterte EUR/CHF Anfang März 2021 auf 1,1150 Franken. Er rutschte allerdings anschließend ab und fiel bis Ende August auf 1,0695. Die SNB schritt ein und beendete mit Euro-Stützungskäufen die Talfahrt. Der Euro erholt sich seitdem.

Von "anhaltend erhöhten Risiken im Markt" für den Euro spricht Raiffeisen Schweiz. Das Geldhaus rechnet bis September 2022 mit einem EUR/CHF-Kurs von 1,06. Damit wäre der Schweizer Franken gegenüber seinem aktuellen Niveau von 1,0850 gut zwei Prozent stärker. Im Falle einer noch stärkeren Aufwertung des Frankens erwartet Raiffeisen Schweiz Euro-Stützungskäufe der SNB.

EUR/CHF-Wechselkursdiagramm mit eingezeichneten Prognosen 2022

Laut dem Ausblick der Bank J. Safra Sarasin wird der Euro bis Dezember 2022 auf 1,06 Franken sinken. Antriebsfeder der Frankenstärke sei die niedrigere Inflation der Schweiz im Vergleich zur Eurozone. Im Gegensatz zur SNB kommt das Research von J. Safra Sarasin zu dem Ergebnis: Der Franken ist zum Euro nicht "hoch bewertet" sondern "fair bewertet".

Die Erste Group sieht hingegen den Euro im Vorteil. Den aktuellen Wechselkursprognosen von Österreichs größter Bank zufolge wird der EUR/CHF-Kurs bis Ende 2021 auf 1,12 und bis Mitte 2022 auf 1,14 steigen. Die letzte Woche von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigte Verringerung der monatlichen Anleihenkäufe täten dem Euro gut.

Dem widerspricht der Chefvolkswirt von J. Safra Sarasin. Es handle sich lediglich um eine moderate Drosselung des Anleihekaufprogramms, die jederzeit wieder zurückgenommen werden kann, erklärt Karsten Junius im Gespräch mit cash.ch. An eine EZB-Leitzinserhöhung, die aus Sicht von Devisenfachleuten viel Aufwärtspotenzial beim Euro-Franken-Kurs freisetzen würde, sei frühestens 2024 zu denken.