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So geht das Tauziehen um den EUR/CHF-Kurs weiter

Zu Jahresbeginn stieg der Euro gegen den Schweizer Franken um 1%, im Februar gab er 2% nach, um im März wieder 1% zu klettern. Das Nullsummenspiel spiegelt nicht die tatsächlichen Machtverhältnisse wider. Die Schweizer Wirtschaft hat dem Euroraum in den letzten Monaten den Rang abgelaufen. Gleichwohl lässt das Wiederstarken des Frankens auf sich warten.

"Die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Franken-Schocks kann nicht verworfen werden", zitiert die "Financial Times" James Wood-Collins, CEO des Währungsmanagers Record Currency Management. Der Chef für Devisenstrategie der Royal Bank of Scotland, Adam Cole, sagt, dass Stärkeanfälle des Schweizer Frankens sicherlich möglich seien. Der Schaden wäre allerdings geringer als bei dem Absturz des Euros von 1,20 auf 0,90 Franken im Januar 2015.

Nicht nur bei zentralen Fundamentaldaten wie Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung und Handelsüberschüssen hat die Schweiz die Nase klar vor der Eurozone. Auch die Konjunkurindikatoren (Einkaufsmanagerindex, Verbrauchervertrauen, Anlegerstimmung) sind inzwischen besser als im EZB-Billiggeld-Paradies.

Bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) dürfte man sich sehr wohl bewusst sein, dass die Luft für den EUR/CHF-Kurs über 1,10 eng wird. Würde doch eine Abschwächung des Frankens der exportlastigen Schweizer Wirtschaft in die Hände spielen, so dass sich der Vorsprung zur Eurozone vergrößerte. Vor dem Aufbau solcher Ungleichgewichte schieben die Devisenmärkte - wenn sie nicht von Notenbanken manipuliert werden - einen Riegel.

Die SNB betont fortwährend, dass die von ihr ausgegebene Währung nach wie vor zu stark sei. In dem gegenwärtigen Marktumfeld erreicht sie damit, dass der Euro bei 1,09 Franken auf der Stelle tritt. Das Kalkül der SNB dürfte darin bestehen, die Devisennotierung in eine Art "Schlafwagen-Modus" zu versetzen. Bei geringen Wechselkursschwankungen verbessert sich die Planungssicherheit von Schweizer Exporteuren und der Gesamtausblick für die Schweiz.

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