16.12.15

Geht die Schweizer Konjunkturerholung zu Lasten des Euro?

Der Euro schaut sich die Marke von 1,08 Franken von unten an. In der Schweiz haben sich die Erwartungen für den Konjunkturverlauf merklich verbessert. Zwar ist auch die Wirtschaftslage im Euroraum recht gut. Die Zuwächse fallen aber bei weitem nicht so stark aus wie in der Schweiz. Der Euro Frankenkurs notiert aktuell bei 1,0782. In der Schweiz muss man für 1 Franken umgerechnet 0,9275 Euro hinlegen.

Für die kommenden sechs Monate kann die Schweizer Wirtschaft mit einem stärkeren Wachstum rechnen. Die Erwartungen der Ökonomen haben sich erheblich aufgehellt. Das Barometer des ZEW-Forschungsinstituts und der Credit Suisse klettert aus dem Stand von 0 Punkten auf 16,6 Zähler.

Für den Euro wird es damit etwas ungemütlich. Eine Verbesserung der Wirtschaftslage in der Schweiz spricht für einen stärkeren Franken. Es hat den Anschein, dass die Schweiz den mit der massiven Aufwertung des Frankens der letzten Jahren eingeleiteten Strukturwandel schneller meistert, als es viele gedacht haben.

"Das macht den Reichtum der Schweiz aus. Man hat immer wieder neue Produkte gefunden, die eine sehr hohe Wertschöpfung hatten", sagt der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Gespräch im dem Schweizer Fernsehen (SRF). Er sei weiterhin davon überzeugt, dass es der richtige Entscheid war den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken vor knapp einem Jahr aufzuheben.

Konjunkturdaten aus dem Euroraum signalisieren, dass die Luft dünn wird. Die von Analysten mit Argusaugen beobachteten Einkaufsmangerindizes (PMI) für die Industrie und den Dienstleistungsbereich treten bei 53-54 Punkten auf der Stelle. Zwar befindet sich die Eurozone in einer soliden Verfassung. Das könnte sich aber sehr schnell ändern, sollte die Wirkung des EZB-Billiggeldes nachlassen und sich der durch den Ölpreisabsturz erzeugte Wohlstandseffekt verflüchtigen.


Aus charttechnischer Sicht ist für den Eurokurs eine bei 1,07 Franken liegende Unterstützung zentral. Die Chancen für den Franken, den Eurokurs unter diese Marke zu drücken, stehen schlecht, weil der SNB nachgesagt wird, dort zu intervenieren. Ein etwaiger Anstieg des Euro prallt bei 1,1000-1,1050 Franken auf einen Widerstand.

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