8.12.15

5 Gründe für einen Anstieg des Euros auf 1,18 Franken

1. Wachstumsvorsprung
Das wirtschaftliche Wachstum im Euroraum wird in den kommenden Jahren stets höher ausfallen als in der Schweiz. Für 2016 und 2017 rechnen die Experten der EU-Kommission mit Wachstumsraten von knapp 2%. Die unter einem starken Franken ächzende Schweizer Wirtschafts kann da nicht mithalten. Die Lage ist anders als zu Zeiten des Euro-Mindestkurses bei 1,20 Franken. Seinerzeit war die wirtschaftliche Dynamik in der Schweiz höher, was den EUR/CHF-Kurs drückte.

2. Unfaires Ungleichgewicht
Der Franken ist aus volkswirtschaftlicher Sicht erheblich überbewertet. Schweizerinnen und Schweizer können mit ihrer Währung im Euroraum sehr viel mehr Waren und Dienstleistungen kaufen als Euro-Europäer in der Schweiz. Damit dieses Ungleichgewicht verschwindet, müsste der Euro gemäß einer Berechnung der UBS auf 1,24 Franken steigen. Den Kalkulationen der Danske Bank zufolge wäre sogar ein Euro-Wechselkurs von 1,31 Franken vonnöten, damit in beiden Währungsgebieten die gleichen Waren und Dienstleistungen für gleich hohe Geldbeträge erworben werden können (Kaufkraftparität).

3. Keine Lira-Zone
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, kann nicht mehr schalten und walten wie er gerne möchte. Ein etwaiger Masterplan des Italieners die Euro-Krise mit der Schaffung einer Weichwährung zu lösen, will eine steigende Zahl von Euroländern nicht mitmachen. Hinzu kommt eine unter dem Deckmantel der Deflationsbekämpfung betriebene Staatsfinanzierung über die Notenpresse. Diese in Nordeuropa verpönte Geldpolitik erinnert an die Aktionen der italienischen Notenbank zu Zeiten der Lira.

4. Wechselkurs-Prognosen
Zwar rechnen die Devisenfachleute der Banken nicht unisono mit einem Anstieg des Euro-Franken-Kurses. Die meisten sind allerdings davon überzeugt, dass 1 Euro deutlich mehr als 1,10 Franken wert sein müsste. Die österreichische Erste Group prognostiziert bis September 2016 einen Anstieg des Euros auf 1,16 Franken. Die Barclays Bank sieht den Euro bis Ende 2016 gar auf 1,18 Franken klettern.

5. Herdenverhalten
Im Euroraum sind die Zinsen auf Anleihen höher und das Kurspotential von Aktien größer. Schweizer Vermögensverwalter kommen am Euroraum nicht mehr vorbei. Sie stocken ihre Investments sukzessive auf. Dabei dürfte man auch mit einem Wechselkursgewinn liebäugeln. Sollte der Euro auf knapp 1,20 Franken steigen, würde man neben Zins-/Dividendenerträgen und/oder Kursgewinnen auf Aktien einen saftigen Wechselkurskursgewinn einfahren. Je mehr Vermögensverwalter auf diesen Zug aufspringen, umso stärker werden die Kapitalabflüsse aus der Schweiz, und je höher steigt der Euro-Franken-Kurs.

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