1.10.15

Schweizer Notenbank pokert gegen Schweizer Banken

Die Überbewertung des Frankens sei derzeit außergewöhnlich ausgeprägt, sagt die Schweizerische Nationalbank (SNB). Ihre neuen Einlassungen sind in Indiz dafür, dass sie sich mit dem Anstieg des Euros von 1,03 auf 1,09 Franken nicht zufrieden gibt. Denn die SNB wolle wieder auf 1,20 zurück, sagt ein französischer Top-Ökonomen, der die Aufhebung des Mindestkurses als großen Fehler bezeichnet.

"Mit dem Negativzins auf Sichtguthaben und der Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt einzugreifen, macht sie (die SNB) das Halten von Franken weniger attraktiv und unterstützt damit eine weitere Abschwächung des Frankens", erklärt SNB-Vizedirektor Fritz Zurbrügg zum Auftakt des vierten Quartals in Zürich.

Ob die Schweizer Notenbank die von ihr gewünschte Abwertung bekommt, steht in den Sternen. Die heimischen Banken sind skeptisch. Gemäß den aktuellen Wechselkursprognosen von UBS und Credit Suisse wird der Euro nicht über 1,10 Franken hinauskommen. Wenn es schlecht läuft, könnte der Euro sogar auf 1,05 Franken zurückgeworfen werden.

Der Glaube, die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) würde den Euro extrem abschwächen, habe sich als falsch erwiesen, sagt Patrick Artus, Chefökonom der französischen Investmentbank Natixis und Professor an der Sorbonne, im Gespräch mit cash.ch. Die SNB hatte die Aufhebung des Mindestkurses vor allem damit begründet, dass der Euro wegen den Käufen von Staatsanleihen massiv abwerten würde.

Dies sei aber nicht geschehen, stellt Artus fest. "Wenn der Euro auf 90 Cent zum Dollar zurückgegangen wäre, wäre dies tatsächlich ein großes Problem gewesen", so Artus. So weit ist es aber nicht gekommen. Der Euro beendete im März bei 1,05 Dollar seine Talfahrt, die im Mai 2014 bei 1,40 Dollar begonnen hatte.

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