31.5.15

Ist Draghi weg, steigt der Euro über 1,20 CHF

Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch über die künftige Geldpolitik entscheidet, dürfte es für den Euro eng werden. Mario Draghis Waffen werden stumpfer. Der Italiener muss immer tiefer in die Gruselkiste greifen. Die Folge: Den aktuell bei 1,03 notierenden Euro-Franken-Kurs zieht es erst einmal Richtung Parität.

Außer Spesen nichts gewesen! Der massenhafte Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB brachte den Euro-Südstaaten bisher kaum nennenswerte Vorteile. Die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen aus Italien und Spanien sind mit knapp zwei Prozent so hoch wie zu Jahresbeginn (zwei Monate von dem Beginn der EZB-Käufe).

Der vor Italien eng beobachtete Euro-Dollar-Kurs macht auch nicht das, was die Politik will. "Mein Traum ist Parität zwischen Euro und Dollar, eine Situation, die Italiens großem Exportsektor helfen würde", sagte der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi im Januar dem Wall Street Journal. Aktuell werden aber für 1 Euro Wechselkurse von 1,10 Dollar bezahlt.

Frisches Paar Augen

Mit ihrer jüngsten Ankündigung die Käufe von Staatsanleihen vorübergehend auszuweiten, hat die EZB bereits versucht, gegenzusteuern. Der gewünschte Effekt trat nicht ein. Die Zinsentwicklungen in Italien und Spanien machen keinerlei Anstalten auf ihre Tiefständen vom März 2015 bei 1,15 Prozent abzusinken.

Die Chancen stehen somit gut, dass der Interventionist Draghi in irgendeiner Form ein weiteres Mal eingreifen wird. Seit seinem Amtsantritt hat der Italiener klar gemacht, dass er mit marktbasierten Bildungen von Zinsen und Wechselkursen nur bei seinem Wohlgefallen etwas anfangen kann.

Solange Draghi die EZB steuert, dürfte es der von der ultralockeren Geldpolitik nach unten gezogene Euro-Franken-Kurs schwer haben. Erst in vier Jahren, wenn die Amtszeit des Italieners endet und ein stabilitätsorientierter Notenbanker das Steuer der EZB übernehmen dürfte, hat der Euro die Möglichkeit zu seiner einstigen Stärke gegenüber dem Franken zurückzufinden.

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