08.04.15

Spielt die EZB ihr nächstes Lockerungs-Ass aus?

Während Mario Draghi kauft und kauft und kauft, sinkt und sinkt und sinkt der Euro-Franken-Kurs. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwirbt mehr Schuldtitel als geplant, womit sich die Aussichten für einen Anstieg des Euros gegenüber dem Schweizer Franken eintrüben. Hinzu kommt, dass die EZB ein weiteres Lockerungs-Ass im Ärmel hat.

Am 9. März 2015 begann die EZB mit dem Kauf von Staatsanleihen. Seinerzeit notierte der Euro-Franken-Kurs bei 1,0720. Vier Wochen später ist 1 Euro nurmehr 1,0430 Franken wert. Das von Mario Draghi geschaffene Überangebot von Euros führt zu abnormalen Zinsniveaus und mindert den Wert der Gemeinschaftswährung.

Staatsanleihen für 52,5 Milliarden Euro hat man in den ersten vier Wochen gekauft, teilte die EZB mit. Hinzu kamen Pfandbriefe und verbriefte Schuldverschreibungen, so dass die über die Notenpresse finanzierten Käufe insgesamt bei 60,95 Milliarden Euro lagen. Das war etwas mehr als erwartet, sieht doch das Kaufprogramm 60 Milliarden Euro pro Monat vor.

Die April-Kauftranche der EZB könnte dazu führen, dass der Euro-Franken-Kurs seine lethargische Talfahrt in Richtung einer bei 1,02 liegenden charttechnischen Unterstützung fortsetzt. Für einen weiteren Rückgang sprechen auch die sich hartnäckig im Markt haltende Gerüchte über eine weitere Zinssenkung.

So könnte sich die Europäische Zentralbank gezwungen sehen den aktuell bei -0,20 Prozent liegenden Einlagensatz weiter nach unten zu schrauben. Der Schritt würde dazu dienen, dass ihr mehr Staatsanleihen zum Kauf zur Verfügung stünden. EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch hat sich in einem Interview mit der Börsen-Zeitung zwar dagegen ausgesprochen.

Der Luxemburger gilt allerdings als Verfechter einer strafferen Geldpolitik. Im EZB-Rat haben seit knapp einem Jahr jedoch die so genannten Tauben der Notenbankvertreter Südeuropas das Sagen. Sie könnten darauf pochen die Geldschleusen noch weiter aufzureißen.