10.04.15

Ohne den Arbeitsmarkt keine Euro-Aufwertung

Am Devisenmarkt kommt der Euro in eine immer akutere Bedrängnis. Die Gemeinschaftswährung sinkt mit 1,0382 Franken auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Monaten. Ein Blick auf die Lage auf dem Arbeitsmarkt zeigt, warum der Schweizer Franken eigentlich nur aufwerten kann.


Die Arbeitslosenquote in der Schweiz sank von 3,5 Prozent im Februar auf 3,4 Prozent im März, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) heute mitteilte. Der Rückgang ist im Lichte der plötzlichen Franken-Aufwertung wegen der Mindestkurs-Aufgabe erstaunlich. Die hochinnovative Schweizer Wirtschaft scheint auch mit einem Euro-Franken-Kursen knapp über der Parität klar zu kommen.

Im Euroraum lag die Arbeitslosenrate zuletzt bei 11,3 Prozent. Einsame Spitzenreiter sind Griechenland (26 Prozent) und Spanien (23,2 Prozent). Auch die Länder mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit, Deutschland und Österreich, können mit Quoten von 4,8 Prozent bzw. 5,3 Prozent der Schweiz nicht das Wasser reichen.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt zeigt, dass die Eurozone von einem strukturellen Wirtschaftsaufschwung meilenweit entfernt ist. Länder wie Spanien, Italien und Frankreich wachsen zwar inzwischen wieder. Sie schaffen es aber nicht mehr Leute in Lohn und Brot zu bringen, weil die Arbeitsmärkte nach wie vor zu unflexibel sind.

Gelänge es diesen Ländern ihre Arbeitslosenraten zu senken, würde das zum einen die Staatsausgaben für Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfe senken. Zum ändern gäbe es mehr Konsumenten mit größeren Einkommen, die das wirtschaftliche Wachstum anfachen würden.

Solange ein solcher, von den Arbeitsmärkten ausgehender, struktureller Aufschwung aber nicht sichtbar sei, habe der Euro im Grunde genommen keine Chance gegenüber dem Schweizer Franken nachhaltig zu steigen, sagen viele Devisenexperten.

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