12.02.15

Schweizer Sozialpartner wollen Euro bei 1,28-1,30 Franken

Die Schweizer Arbeitgeber und Arbeitnehmer wollen unbedingt eine Aufwertung des Euros gegenüber dem Franken herbeiführen. Weil 1 Euro derzeit nicht 1,28 Franken wert ist, sei der Franken um ein Fünftel überbewertet, sagt der Arbeitgeberverband Economiesuisse. Noch einen Schritt weiter geht der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB), der einen neuen Euro-Mindestkurs von 1,30 Franken fordert.

"Bei einem Franken-Euro-Kurs von 1:1 und einer geschätzten Kaufkraftparität von derzeit 1,28 beträgt die Überbewertung rund 22 Prozent!", heißt es in einem Positionspapier zur Frankenstärke von Economiesuisse. Bereits mit dem Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken wäre die eidgenössische Währung überbewertet gewesen. "Mit der jüngsten Aufwertung wurde also keine Unterbewertung korrigiert, sondern die Überbewertung hat sich drastisch verstärkt", schlussfolgern die Arbeitgeber.


Die derzeitige Angebots- und Nachfragesituation am Devisenmarkt widerspricht den Einschätzungen der Arbeitgeber. Der Euro-Franken-Kurs notiert aktuell bei 1,06. Auf diesem Kursniveau kann er sich ohne Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) behaupten. Die Giroguthaben der Banken bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die ein Indiz dafür sind, ob und wie stark die SNB Euro-Stützungskäufe durchführt, stagnierten zuletzt.

Die SNB solle den Franken wieder auf ein tragbares Niveau bringen. Als "fair" bezeichnet SGB-Chefökonom Daniel Lampart einen Eurokurs von 1,30 Franken. "Die Nationalbank könne eine Aufwertung grundsätzlich immer bekämpfen, "weil sie allein unendlich Franken produzieren und in den Devisenmarkt fließen lassen kann". Lampart beruft sich auf die 1978 eingeführte Untergrenze zur Deutschen Mark, die bis 1999 Bestand hatte.

Gemäß den aktuellen Schweizer Franken Prognosen der Banken können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer keine Hoffnung auf einen raschen Anstieg der Gemeinschaftswährung machen. Im Mittel rechnen die Devisenexperten sogar mit einer leichten Abwertung des Euros von derzeit 1,06 Franken auf 1,05 Franken.